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Bräuche rund um Weihnachten

Der Name "Weihnachten" stammt vom Mittelhochdeutschen "Ze wihen nechten". Es ist das schönste Familienfest des Jahres.Traditionell ist der Christbaum, das Weihnachtsessen, die Krippe, das Stille  Nacht-Lied, Geschenke. Der Christbaum ist im 17. Jahrhundert von Straßburg (Elsaß) nach Kärnten gekommen.

Der "Einwärts", also die nach innen gewandte Zeit, bildet die Basis für das Weihnachtsbrauchtum. Das lustige Leben der Erntezeit ist vorbei, das Totengedenken hat zu einer Beruhigung des Lebens geführt und die romantische Weihnachtszeit hat begonnen. Auf dem Land gibt es noch zahlreiche Bräuche, die wir Städter nicht mehr kennen. Wie etwa die Klöckler des Gegendtales und des oberen Drautales, die in der Vorweihnachtszeit in Gruppen an den Donnerstagen unterwegs sind und "klocken" (klopfen). Sie klopfen an die Türen der Häuser um ins Haus zu kommen, die besten Wünsche zu überbringen und die "Klöcklerjause" zu genießen.

Heilige Barbara

Der Tag der heiligen Barbara (4.Dezember) ist ebenfalls für das Brauchtum sehr bedeutend geworden. In vielen Wohnungen und Häusern stehen die Barbarazweige, das sind frisch geschnittene Obstbaumzweige (Apfel-, Birke-, Haselnuss-, Kirsch-, Kastanien-, Pflaumen-, Holunder-, Rotdorn- oder Forsythienzweig) in den Vasen. Wenn sie genau zu Weihnachtsfest aufblühen, ist dies ein gutes Zukunftszeichen.
In einigen Bundesländern hängt man an die Zweige auch kleine Zettelchen mit Wünschen oder Fragen an das Schicksal.  Ein Aufblühen der Blüten bis zum Christtag gibt Hoffnung auf eine positive Erledigung. 

Die heilige Barbara ist vor allem auch bekannt als Schutzheilige der Bergleute aber auch der Feuerwehrleute oder Architekten. Sie lebte im 3. Jahrhundert in Kleinasien am Marmarameer, heute Türkei. Als sie zum Christentum übertrat, wurde sie von ihrem Vater angezeigt, gefangengenommen und getötet.

Während ihrer Gefangenschaft soll sie den vertrockneten Zweig eines Kirschbaumes mit Wassertropfen zum Blühen gebracht haben - ehe sie starb.

Adventkranz

Beinahe in jeder Familie findet man einen Adventkranz, der an die vier Wochen Fastenzeit erinnert und die lebensspendende Sonne zum Mittelpunkt hat.

Der Adventkranz geht auf den evangelisch-lutherischen Theologen Pater Wichern aus Hamburg zurück, der 1839 den armen Kindern die er betreute, das Warten auf Weihnachten verkürzen wollte. Dieser erste Adventkranz bestand aus einem Wagenrad mit 20 roten und vier weißen Kerzen. Jeden Tag wurde eine rote Kerze entzündet und  am Sonntag eine weiße.

Seite Mitte des 19 jahrhundertes, ungefähr ab 1860 gibt es den Adventkranz aus Tannenzweigen. heute sind in den Wohnzimmern vor Weihnachten auch ganz moderne Exemplare aus Glas, Stahl etc. zu finden.

Thomastag

 Ein wichtiges Datum im Jahreslauf ist der 21. Dezember, der Thomastag, gut bekannt als "Wintersonnenwende" und Beginn der "Rauhnächte". In dieser Zeit ist das "Leaseln" oder "Liesnen", also das Schauen in die Zukunft, eine gerne geübte Methode, um die Zukunft zu ergründen.
Der Thomastag ist der Beginn des Perchtenbrauches, der bis zum heiligen  Dreikönigstag andauert. Wegen der teilweise extremem Kälte dieser Tage waren die Menschen seit jeher der Meinung, daß sämtliche Winterdämonen als Kälteverursacher unterwegs sind. In diese Zeit fällt der heilige Abend mit dem Christtag (24. und 25.12) und die Jahreswende. Am  Dreikönigstag ist diese extreme Zeit zu Ende.

Der Christbaum

Um 1600 taucht in Chroniken erstmals ein Weihnachtsbaum am Heiligen Abend in Schlettstadt/Elsaß auf. Er wird als grüner Baum beschrieben, der mit Äpfeln und Backwerk  geschmückt ist. Etwa 100 Jahre später, also um 1700 n. Chr., beschreibt man einen Lichterbaum und Geschenke wie Süßigkeiten, Spielzeug, Kleidung und verschiedene schöne Dinge.

In Österreich begann das Aufstellen von Christbäumen als deutsche, protestantische Sitte 1814 durch den Berliner Bankier Adam von Arnstein in Wien. Eine Belebung des Brauches, Christbäume aufzustellen, entstand durch die Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg. Sie war die Gattin von Erzherzog Carl. Für ihre Tochter putzte sie 1816 einen kleinen Christbaum auf.

Erster Klagenfurter Christbaum

Ab 1830 setzte sich der Brauch, einen Christbaum als wichtigen Mittelpunkt des Weihnachtsfestes aufzustellen, durch. In Klagenfurt ist der erste Christbaum für 1855 nachweisbar, schreibt der Historiker Dr. Dieter Jandl in seinem Klagenfurt-Büchlein. Dieser stand vor dem Haus Alter Platz 2 und wurde vom „Katholischen Gesellenverein“ am 26. Dezember aufgestellt. Nach der Messe in der Stadtpfarrkirche St. Egid lud man zu einer „abendlichen Festunterhaltung mit Christbaum und zu verlosenden Gewinnsten“. 

In Graz soll der erste Christbaum bereits 1813 gestanden sein.

Im ländlichen Bereich setzte sich der Christbaum nur langsam durch. Bei den soldatischen Weihnachtsfeiern lernten die Burschen den Christbaum von deutschen Mitstreitern kennen. Auf der Kärntner Seite der Pack etwa wurde ein kleiner Christbaum an der Stubendecke befestigt, manchmal sogar mit dem Spitz nach unten. Eine geisterabwehrende Wirkung war das Hauptanliegen.

In den Bürgerhäusern der Städte wurde das Aufstellen und Schmücken von Fichten- oder Tannenbäumen zu einem wichtigen Anliegen des Weihnachtsfestes. Der verwendete Baumschmuck zeigte einen Teil der Kärntner Kulturgeschichte. Ab 1880 kam der Glasschmuck aus Lauscha/Thüringen auf. 1890 folgten Lametta und Engelhaar.

Kärntner Christbaum

In Kärnten war der teure, industrielle Christbaumschmuck nicht sehr  verbreitet. Es entwickelte sich jedoch selbst hergestellter Schmuck von hoher Güte, den ein Kärntner Christbaum haben sollte. Auf einem Kärntner Christbaum sollte der "Fatschenpoppa" nicht fehlen. Die Freude am Nachwuchs ist sein Anliegen. 

Grundsätzlich ist der Schmuck eines tarditionellen Kärntner Christbaumes eher bescheiden. Man findet viel aus dem Garten. Etwa vergoldete oder in Silberpapier eingewickelte Nüsse. Die roten Spitzapferln und auch Strohsterne durften nicht fehlen. Halbe Nußschalen, die mit Unschlit (Tierfett) ausgegossen sind und ein Stück Docht haben, dienten als Lichter. Heute bevorzugt man Bienenwabenkerzen, die in Salzwasser getaucht und getrocknet werden, damit die Kerzen nicht tropfen und länger brennen.

Beim Christbaum meist nicht fehlen darf die Hauskrippe. Seit Jahren erlernt man diese Volkskunst der Herstellung in der Kärntner Krippenbauschule.

In Kärnten wird der Christbaum übrigend nicht dekoriert, sondern "aufgeputzt". Dies bedeutet, daß während des Aufputzens an die Entstehungsgeschichte des Weihnachtsschmuckes gedacht wird.

Heute sind natürlich auch die Christbäume der Mode unterworfen und zeigen sich in den verschiedensten Farben, aber viele Menschen haben nach wie vor den Kärntner Baum mit Rot, Gold und Strohschmuck im Wohnzimmer.


Wir haben hier Hinweise und Texte des Kärntner Brauchtumsexperten Dr. Wolfgang Lattacher verwendet.

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