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Verhaltenssüchte

Wie entstehen Verhaltenssüchte? 

Außer Drogen und anderen psychotropen Substanzen können auch exzessive Verhaltensweisen Merkmale einer Suchterkrankung aufweisen. Zu diesen nichtsubstanzgebundenen Süchten oder Verhaltenssüchten zählen beispielsweise Sexsucht, pathologisches Glücksspiel, Kauf-, Arbeits- oder Mediensucht.  

Bei der Entstehung einer Verhaltenssucht spielen unterschiedliche Einflüsse aus der Kindheit, Erbanlagen, das soziale Umfeld, Persönlichkeitsmerkmale (z.B. geringer Selbstwert) sowie psychische Erkrankungen oder aktuelle bzw. länger andauernde Belastungssituationen eine Rolle. Der Übergang von einem gesunden zu einem missbräuchlichen und in Folge krankhaften, suchtartigem Verhalten ist oft fließend. 

Das exzessive Verhalten (z. B. beim Wetten) erscheint dabei häufig als erfolgreiche Strategie mit negativen Gefühlen, Problemen oder innere Leere umzugehen bzw. sie zu betäuben, wobei das suchtartige Verhalten zunehmend zum Lebensmittelpunkt und unkontrollierbar wird. Hat das Gehirn eine solche effektive Strategie erlernt, verlernt es zuvor Spaß bringende und Gefühle regulierende Verhaltensweisen. Somit wird das Verhalten (z. B. Glücksspielen) zur einzig wirkungsvollen Strategie Gefühle zu regulieren und die Betroffenen halten sogar alltägliche Situationen ohne ihre „Droge“ nicht mehr aus. Interessen und soziale Beziehungen reduzieren sich, die Arbeitsleistung sinkt und Betroffene können verwahrlosen. Seelische, körperliche, familiäre und finanzielle Probleme sind die Folgen dieser Sucht. Die Betroffenen leiden auch zunehmend unter starken Schuld- und Schamgefühlen. 

Mit Hilfestellung durch die Spielsuchtberatung des Magistrates gibt es Wege aus der Suchtfalle. Auch Angehörige bzw. das soziale Umfeld bekommen Hilfe und Unterstützung. 

Merkmale einer Verhaltenssucht 

Das Verhalten wird vorrangig eingesetzt, um die Stimmung/Gefühle zu regulieren oder das Stresserleben zu reduzieren und wird (anfänglich) als unmittelbare Belohnung empfunden. Aufgrund der Toleranzentwicklung ist ein häufigeres und intensiveres Suchtverhalten nötig, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Bei Reduktion oder Verhinderung des exzessiven Verhaltens kommt es zu psychischen und körperlichen Entzugserscheinungen. Das auffällige, exzessive Verhalten dauert länger an und wird zum Lebensmittelpunkt, es dominiert das Denken, Fühlen und Verhalten. Die Betroffenen leiden unter einem unwiderstehlichem Verlangen das Verhalten ausüben zu wollen/müssen und beschäftigen sich ständig gedanklich mit der Vorbereitung, Durchführung, Nachbereitung und den erwarteten Folgen des exzessiven Verhaltens. In verschiedenen Bereichen wird das exzessive Verhalten verzerrt und nicht realistisch wahrgenommen. Betroffene verlieren hinsichtlich Dauer, Häufigkeit und Intensität die Kontrolle über das jeweilige Verhalten und setzen es trotz negativer gesundheitlicher, beruflicher, finanzieller und familiärer Folgen fort. Die dabei auftretenden schädlichen Konsequenzen und Schwierigkeiten betreffen meist nicht nur Süchtige selbst, sondern auch ihr Umfeld, z.B. bei finanziellen oder partnerschaftlichen Problemen. Sowohl Angehörige als auch Betroffene leiden unter der Suchterkrankung.   

Pathologisches Spielen

Eine Spielsucht könnte vorhanden sein, wenn Glücksspielen keine reine Unterhaltung mehr ist, die ab und zu stattfindet. Krankhaftes Spielen wird definiert als häufiges und wiederholtes immer wieder ausgeübtes Glücksspiel, welches das Leben der betroffenen Person beherrscht und zum Verfall der sozialen, beruflichen, materiellen und familiären Werte und Verpflichtungen führt. Das bleibt nicht ohne finanzielle Folgen – auch für das soziale Umfeld. Online-Angebote sprechen vor allem Jugendliche an und können ebenfalls abhängig machen, wobei hier Internet- und Spielsucht kombiniert vorliegen können. 

Mediensucht

Unter den Begriff Mediensucht fallen suchtartige Verhaltensweisen im Zusammenhang mit dem Gebrauch digitaler Medien (Smartphones, Computer/Laptops, Tablets, Spielkonsolen, Internet,…). Die Inhalte weisen dabei ein unterschiedlich hohes Suchtpotential auf und reichen von Online-Pornographie, Online-Glücksspiele, Soziale Netzwerke, Computerspiele, Online-Recherche zu Online-Shopping usw.

Betroffene verbringen übermäßig viel Zeit mit dem Medienkonsum und vernachlässigen dabei reale soziale Kontakte und das alltägliche Leben immer mehr. Jugendliche sind besonders oft betroffen. Psychische (wie z. B. Depressionen und Ängste) und körperliche Gesundheitsschäden wie z. B. Fettsucht (Adipositas), chronische Rücken- und Kopfschmerzen sowie irreparable Sehschwächen sind häufige Folgen der Mediensucht. 

Handysucht

Handy-Süchtige haben das Mobiltelefon meist durchgehend eingeschalten aus Angst ein Gespräch zu versäumen, was für sie bedeuten würde von ihrem sozialen Netzwerk abgeschnitten zu werden. Betroffene verspüren oft den starken Drang mit gerade nicht anwesenden Personen via Telekommunikation (Mobiltelefonanruf, SMS, WhatsApp) in Kontakt treten zu wollen. Da dabei jedoch häufig kein direkter persönlicher Kontakt mehr stattfindet, hat diese Form der Sucht meist die Isolation zur Folge. Im weiteren Sinn umfasst die Handy-Sucht auch die Handyspielsucht sowie die Handyonlinesucht. 

Kaufsucht

Kaufsucht ist das zwanghafte Kaufen von Konsumgütern (wie z. B. technische Geräte, Bekleidung, Lebensmittel,…) oder von Dienstleistungen. Kaufsüchtige verspüren das starke Verlangen, einkaufen zu müssen, wobei sie vom Akt des Kaufens und den damit verbundenen Emotionen abhängig sind. Betroffene empfinden beim Kaufen Erregung oder Beruhigung, aber bekommen auch Anerkennung und Bestätigung. Es geht nicht darum, ob die Konsumgüter wirklich gebraucht werden. Probleme im sozialen Umfeld und Schulden kennzeichnen dieses Suchtverhalten, da Ratenkäufe sowie Kreditkarten den Shopping-Exzess erleichtern.  

Sexsucht

Bei der Sexsucht dient Sexualität der kurzfristigen Entlastung von negativen Gefühlen wie Minderwertigkeitsgefühlen oder Einsamkeit. Mit der Zeit wird das sexuelle Verhalten gesteigert. Es wird zur am häufigsten angewendeten Strategie zur Belohnung. Eine Sexsucht ist gekennzeichnet durch gesteigertes sexuelles Verlangen, häufig wechselnde Sexualpartner und exzessivem Pornographie- bzw. Mediengebrauch. Die Betroffenen verlieren zunehmend die Kontrolle über ihr sexuelles Verhalten und den daraus entstehenden, sich vermehrenden negativen Folgen. Sie empfinden durch ihre sexuelle Aktivität immer weniger physische und psychische Befriedigung und fühlen sich aufgrund der erlebten Unkontrollierbarkeit oft hilflos und minderwertig. Eine Sexsucht bringt große partnerschaftliche Probleme mit sich, vor allem, wenn das Sexualverhalten ungeschützt erfolgt und zu sexuell übertragbaren Krankheiten führt. 

Arbeitssucht

Bei der Arbeitssucht wird die Arbeit immer wichtiger. Stress und Hektik verursachen Hoch- und Glücksgefühle. Hobbies, Freunde und Familie verlieren an Bedeutung. Arbeitssüchtige bearbeiten auch in der Freizeit und im Urlaub ihre E-Mails und denken viel an die Arbeit. „Ich mache das wirklich gern“ oder „Ich kenne mich da bestens aus.“ sind Rechtfertigungen für ihren überdurchschnittlichen Einsatz. Trotz erster gesundheitlicher Probleme wie Erschöpfungszustände, Schlafstörungen oder Bluthochdruck übernehmen Arbeitssüchtige immer mehr Aufgaben und greifen häufig zu Aufputschmitteln, um das Pensum bewältigen zu können. In der Endphase gibt es meistens einen Leistungsknick und Nervenzusammenbrüche, Angstzustände, Depressionen sowie Burn-out treten auf.


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