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Auftakt zum Dialogjahr "Hör auf Lärm"!

(01.12.2016)
Der bekannte Klagenfurter Gesundheitspreis wird nun zur unmittelbaren Gesundheitsförderung. Neun Projekte werden nun bei der Umsetzung gefördert und begleitet werden.

Eine „Premiere im Gesundheitswesen“ hat Gesundheitsreferent Vizebürgermeister Jürgen Pfeiler im Klagenfurter Stadthaus vorgestellt: aus dem bekannten „Klagenfurter Gesundheitspreis“, bei dem besondere Präventionsprojekte ausgezeichnet und vorgestellt wurden, ist nun eine konkrete Projektförderung mit Themenschwerpunkt geworden.

Im Rahmen der Prämierung von neun ausgewählten Präventionsprojekten wurde zugleich auch das Dialogjahr „Hör auf Lärm“ ausgerufen. Ein Jahr lang werden vom Gesundheitsreferat der Stadt Maßnahmen zur Lärmverringerung, zur Bewusstseinsförderung von gesundheitsschädlichen Auswirkungen von Lärm und auch für barrierefreies Hören gesetzt.

„Wir wollen gemeinsam mit dem Präventionsteam des Gesundheitsamtes die prämierten Projekte begleiten“, so Gesundheitsreferent Vzbgm. Jürgen Pfeiler, dem es neben Vorsorgemaßnahmen auch ein großes Anliegen ist, für hörbeeinträchtigte Menschen im Sinne der Barrierefreiheit entsprechend wirksame Vorkehrungen zu treffen. „Barrierefreiheit ist nicht nur ein Wort! Wir wollen Barrierefreiheit leben und damit als Landeshauptstadt auch Vorbild für andere Gemeinden und Institutionen sein“, so Pfeiler.

Bürgermeisterin Dr. Maria-Luise Mathiaschitz, die den „Klagenfurter Gesundheitspreis“ in ihrer früheren Funktion als Gesundheitsreferentin ins Leben gerufen hat, ist überzeugt, dass die Weiterentwicklung dieser Initiative auch in Zukunft eine große Rolle im Bereich der Gesundheitsvorsorge sein wird. Als Umweltmedizinerin weiß sie um die medizinischen Aspekte von Lärmbelastung. „Lärm ist ein enormes Umweltgift – dennoch ist das Empfinden aber subjektiv. Was dem einen kaum auffällt, kann für den anderen massiv störend sein und eine Belastung bedeuten“, so Dr. Mathiaschitz, die allen Anwesenden, die sich für Lärmprävention und den Schutz des Gehörs einsetzen, herzlich bedankte.

 Dass die gesundheitlichen Folgen von Lärm unterschätzt werden, bestätigte auch die Leiterin des Klagenfurter Gesundheitsamtes, Dr. Birgit Trattler: „Dabei fühlt sich jeder Dritte von Lärm belästigt“. Auch bei dauerhaft geringen Geräuschpegeln gibt es bereits negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden. „Lärmprävention bedeutet daher, einerseits ein Bewusstsein über die möglichen Gefahren durch Lärm zu schaffen und sich entsprechend zu schützen. Andererseits ist die Vermeidung unnötiger Lärmerzeugung der beste Lärmschutz.“

Auch Primarius Dr. Hans Edmund Eckel, Leiter der HNO-Abteilung am Klinikum Klagenfurt, wies in seinem Impulsvortrag auf negative Auswirkungen von Lautstärke und Lärm auf die Gesundheit hin. Das medizinische Spektrum reicht dabei von Stress und psychischer Belastung über Schlafstörungen bis hin zu Tinnitus und dauerhafter Schädigung des Gehörs.

 

Neun Projekte, die bei der gestrigen Auftaktveranstaltung zum Dialogjahr „Hör auf Lärm“ präsentiert wurden, gelangen nun zur Umsetzung bzw. werden bereits erfolgreich praktiziert:

 

  1. Workshops mit Schülerinnen und Schülern zur Lärmprävention von Dr. Tatjana Kampus (Fachärztin für Hals- Nasen- und Ohrenheilkunde). Zielgruppe sind Volksschulkinder, die in den Workshops über Lärmprävention, über Nachteile von Lärm und Vorteile von Stille, über Vorbeugung lärmverursachender Folgeschäden etc. erfahren und lernen

  2. Ruhe im Kindergarten – Projekt von HNO-Fachärztin Dr. Tatjana Kampus in Kooperation mit der Bundesbildungsanstalt für Elementarpädagogik. Hier werden Kindergartenpädagoginnen und –pädagogen geschult, um die Lärmbelastung in Kindergärten zu verringern bzw. um Nachhaltigkeit zu erreichen und die jungen Menschen zu sensibilisieren.

  3. So findet die Klasse Ruhe – Projekt von HNO-Ärztin Dr. Tatjana Kampus. In diesem Projekt sind Lehrende in Pflichtschulen die Zielgruppe. Lehrende sind jahrelang Lärm ausgesetzt – sie sind aber auch Vorbilder und Multiplikatoren. In speziell auf Pflichgtschul-Lehrende angepassten Workshops werden Lehrerinnen und Lehrer geschult, um nachhaltige Lärmreduktion zu erreichen und auf Lärm zu sensibilisieren.

  4. „Hören erleben“ – nennt sich das Projekt von Georg Berger vom „Überregionalen Pädagogischen Beratungszentrum Hören – Kärnten“, der als Selbstbetroffener das Thema „Hören“ kindergerecht und methodisch-didaktisch auf das Alter von Schülerinnen und Schülern abstimmt. In seinen Workshops wird der Hörvorgang mit allen Sinnen erlebt, nachgebaut und als audio-visuelle Präsentation gezeigt

  5. Prävention in Neuen Mittelschulen durch das „Forum Besser Hören – Schwerhörigenzentrum Kärnten“. Mag. Brigitte Slamanig richtet sich an Jugendliche an Mittelschulen im Alter zwischen 10 und 14 Jahren. Ständig neue und wechselnde Trends wirken auf diese Altersgruppe ein – speziell Jugendliche sollen motiviert werden, auf ihr Gehör zu achten. In Workshops wird gemeinsam das Thema Schall, Frequenz, Dezibel, Lautstärke im Zusammenhang mit dem Hörvorgang erarbeitet.

  6. Viel Lärm ums Lernen – Projekt von Direktor Mag. Harald Kuchler, Schularzt Dr. Thomas Widowitz und MMag. Ulrike Lederer (Leiterin KiBiZ). Dieses Projekt wird im Rahmen der Nachmittagsbetreuung im BG/BRG Mössingerstraße durchgeführt. Schülerinnen und Schüler bauen mit dem Physiklehrer ein Lärmmessgerät, mit dem sie an unterschieldichen Plätzen und in unterschiedlichen Situationen Lärmmessungen durchführen – in der Klasse, am Gang, im Turnsaal usw.

  7. „Achtsamkeit macht Schule – Vom äußeren Lärm zur inneren Ruhe“ – Projekt von Dipl.Psych. Frank Zechner und Dipl.Päd. Hemma Holler-Bucher in der Montessorischule de La Tour Klagenfurt)
    Durch die Vermittlung von Achtsamkeitsmethoden und deren Umsetzung im Schulalltag soll der Lärmpegel im Klassenraum gesenkt werden. Als Methode wurde die Stressbewältigung „Mindfulness-Based Stress Reduction“ nach Jon Kabat-Zinn bzw. eine für Schüler abgeleitete Form nach Amy Saltzmann gewählt.

  8.  Schutz für das Gehör im Mozarthof – Projekt von Dipl.Päd. Franz Pirker-Jeremias in Kooperation mit der Firma Neuroth.
    Bei den Konzerten im Mozarthof wird vom Team des Mozarthofs Wert auf Hinweise und Information im Hinblick auf Gehörschutz gelegt. Speziell Tontechniker, die vom Soundcheck bis zum Konzertende dauerhaft hoher Lautstärke ausgesetzt sind, aber auch Konzertbesucher bekommen die Möglichkeit, mit coolen roten Hörstöppseln ihre Ohren zu schützen.

  9. „Barrierefreies Hören“ – eine Initiative von Mag. Brigitte Slamanig vom Österreichischen Schwerhörigenbund wird im Gesundheitsamt des Magistrats bereits umgesetzt.
    Mit einer induktiven Höranlage wird im Schalterbereich des Gesundheitsamtes das Sprachsignal vom Mikrophon direkt zum Hörsystem des hörbeeinträchtigten Menschen übertragen.
    Schwerhörige Menschen können so beim Hören und Verstehen in öffentlichen Räumen unterstützt werden, weil störende Nebengeräusche mit dieser Anlage reduziert werden.

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