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Stolpersteine erinnern an NS-Opfer

(05.08.2018)
Sechzehn neue Stolpersteine für weitere NS-Opfer wurden vom Künstler Gunter Demnig verlegt. „Sie sind Erinnerung und Mahnung“, sagt Bürgermeisterin Dr. Maria-Luise Mathiaschitz.

Es ist die dritte Stolpersteinaktion von Stadt und Österreichisch-Israelischer Gesellschaft, die im öffentlichen Raum an Opfer des Nationalsozialismus erinnert.

Gunter Demnig hat mit seinen Stolpersteinen das größte dezentrale Mahnmal Europas geschaffen. Seit 1992 verlegt er Pflastersteine mit Metallplatten auf denen Name, Daten und Schicksal von NS-Opfern graviert sind, vor deren letzter, freiwillig gewählter Wohnadresse. Über 70.000 in 1100 Städten und 23 Ländern sind es inzwischen. In Klagenfurt werden es mit dem 5. August 39 Stolpersteine sein. Zum ersten Mal sind auch Opfer des Euthanasiewahns des NS-Regimes dabei.

Vor dem ehemaligen Standort des Josefinums in St. Martin wurden bei einer Gedenkveranstaltung acht Steine in den Asphalt eingelassen.

„Als Ärztin macht es mich betroffen und wütend, wenn wir hier Stolpersteine für Menschen verlegen müssen, die besondere Hilfe, Schutz und Förderung benötigten und in der Euthansieanstalt Hartheim ermordet wurden. Als „unwertes Leben“ wurden sie in den Tod geschickt. Auch Ludmilla Martinz – ein 12jähriges Mädchen“, sagte die Klagenfurter Bürgermeisterin in ihrer Ansprache. Und: „Sie wird wie alle anderen 38 Menschen, an deren grausamen Tod die Stolpersteine in Klagenfurt erinnern, nicht vergessen sein“.

Die Bürgermeisterin konnte zur Gedenkveranstaltung zahlreiche Teilnehmer und Teilnehmerinnen und Ehrengäste begrüßen unter ihnen den Künstler Manfred Bockelmann und Verwandte der NS-Opfer, für die an diesem Tag Stolpersteine verlegt wurden sowie aus Stadtsenat und Gemeinderat Vzbgm. Christian Scheider, Stadtrat Frank Frey und die Gemeinderäte Manfred Jantscher und Martin Lemmerhofer.  Extra aus den USA angereist sind Doris Schneider, an deren Tante (ermordet im Vernichtungslager Maly Trostinec) jetzt ein Stolperstein erinnert, und ihr Enkel, Elijah Petzold. Für die Großnichte von August Schwendner, DI Elisabeth Schwendner kam MMag. Adele Polluk, ebenfalls teilgenommen haben mit Christine Veit, Jörg Moser und Gabriele Veit Enkelin, Enkel und Urenkelin von Alois Fekonja.

Dr. Nadja Danglmaier vom Erinnerungs- und Gedenkbeirat der Stadt Klagenfurt sprach zu den Opfern, für die am Sonntag Steine gesetzt wurden (Liste siehe am Ende )

Doris Schneider erklärte in ihrer Ansprache wie viel, die Verlegung dieses Stolpersteines für ihre Familie bedeutet, erzählte von ihrer Flucht in die USA und welches Glück es war ein anderes Land zu finden, das „uns als Flüchtlinge aufgenommen hat“. Die Amerikanerin weiter: „Heute sind wieder Menschen auf der Flucht vor Tod und Verfolgung und jedes Kind, jede Familie sollte einen sicheren Platz finden können“.

Für Elisabeth Schwendner hielt ihre Freundin Adele Polluk eine berührende Rede,  wie man sich gemeinsam auf die Spuren der Vergangenheit gemacht habe und langsam das Schicksal des Großonkels und anderer NS-Opfer entdeckt hat.

Manfred Bockelmann, der mit seinen „Zeichnungen gegen das Vergessen“ ermordete Kinder aus der Anonymität geholt und ihnen wieder ein Gesicht gegeben hat, erzählte wie sehr ihn diese Form des Erinnern mit  Stolpersteinen bewegt hat, wenn man plötzlich erkenne, vor dem Haus von Opfern zu stehen. Für diese „emotionale Form des Gedenkens“ dankte er dem Künstler Gunter Demnig.

„Die Stolpersteine lassen uns stolpern, machen uns wieder sehend – was vor über 70 Jahren in unserer unmittelbaren Umgebung, in unserer Stadt passiert ist, nämlich Demütigung, Vertreibung, Folter, Mord. Die Stolpersteine erinnern überall in der Stadt daran, wozu Menschen fähig sind, was sie anderen Menschen antun können und zeigen uns, dass die Opfer nicht irgendwer, irgendwo waren, sondern hier gelebt haben, Teil unserer Gesellschaft waren. Jetzt haben sie wieder einen Namen, einen Wohnort und sind mit ihrem Schicksal in unsere Gesellschaft zurückgeholt worden“, erklärte die Bürgermeisterin in ihrer Ansprache.

Die Stolpersteine dürfen aber nicht nur Erinnerung sein, sondern auch immer deutlich sichtbare Mahnung, die heute wichtiger denn je ist, so Dr. Mathiaschitz: „Wieder wird versucht die Gesellschaft zu entsolidarisieren, zu spalten, Neid und Hass auf das „Andere“ zu schüren, Fremdenfeindlichkeit, Ausländerhass und Antisemitismus greifen Platz, Rechtsextremismus und rassistische Gewalt wachsen.“

Dagegen gelte es aufzustehen und laut „Nein“ zu sagen, egal ob am Stammtisch in der politischen Diskussion, im Netz, in den sozialen Medien.

„Würdigen wir damit die Opfer deren wir heute gedenken und alle Opfer des NS-Regimes“, forderte die Bürgermeisterin zu Zivilcourage auf.

Einen Dank der Stadtchefin gab es für alle, die diese drei Stolpersteinverlegungen in Klagenfurt möglich gemacht haben, den Gedenkbeirat der Stadt mit Dr. Peter Gstettner, der damaligen Mit-Initiatorin und inzwischen verstorbenen Gemeinderätin Sieglinde Trannacher, Dr. Nadja Danglmaier und der Landesgruppe Kärnten der Österreichisch-Israelischen Gesellschaft.

Weisse Rosen neben den Stolpersteinen©StadtPresse/Fritz
Künstler Gunter Demnig zeigt zwei Stolpersteine mit den gravierten Metallplatten ©StadtPresse/Fritz

Stolpersteinverlegungen am  Sonntag 5. August 2018

 

Josefinumstraße

 

Alois Lackner 1913 – 1941 (Euthanasieanstalt Hartheim)

Stefan Müller 1922 – 1941 (Euthanasieanstalt Hartheim)

Ludmilla Martinz 1929 – 1941 (Euthanasieanstalt Hartheim)

Ernst Steinhauser 1917 – 1941 (Euthanasieanstalt Hartheim)

Franz Schorsch 1913 – 1941 (Euthanasieanstalt Hartheim)

Karl Schorsch 1914 – 1941 (Euthanasieanstalt Hartheim)

Johanna Jarneitz 1897 – 1940 (Euthanasieanstalt Hartheim)

Susanne Zechner 1916 – 1943 (Gaukrankenhaus Klagenfurt)

 

Klagenfurt-Welzenegg

 

Kilian Schauss, Hagenstraße 6

1909 – 1942 (Hinrichtungsstätte Berlin-Plötzensee)

 

Alois Fekonja, Perlengasse 32

1902 – 1943 (KZ Esterwegen)

 

August Schwendner, Freiligrathstraße 7

1889 – 1940 (GESTAPO-Gefängnis Klagenfurt)

 

Innenstadt

 

Karl Krumpl, Lastenstraße 3

1909 – 1945 (Hinrichtungsstätte Landesgericht Wien)

 

Franz Swoboda, Bahnhofstraße 44

1887 – 1945 (KZ Dachau)

 

Ernst Salzberger, Bahnhofstraße 55

1922 – Schicksal unbekannt

 

Julie Spitz, Spengergasse 8

1902 – 1942 (Vernichtungslager Maly Trostinec)

 

Siegmund Forst, Karfreitstraße 5

1878 – 1943 (Vernichtungslager Auschwitz)

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