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Erinnerungskultur

Collage aus Bildern von Erinnerungsveranstaltungen©StadtPresse Fritz/Collage Aigner

Die Stadt Klagenfurt sieht es  als wichtige Aufgabe, sich der Vergangenheit offen zu stellen. So soll ein aktives Zeichen gegen das Vergessen und Verdrängen einer schrecklichen Zeit, die Millionen unschuldiger Menschen, Kinder und Familien das Leben gekostet hat, zu setzen. Die Erinnerung an die Verbrechen des Naziregimes muss Mahnung für die Zukunft sein! Es gilt Rassismus und Unmenschlichkeit  schon früh zu erkennen und zu bekämpfen.

In Klagenfurt wurde der jüdische Friedhof saniert, wurden Stolpersteine verlegt, eine würdige Gedenkstätte für das zerstörte jüdische Bethaus geschaffen, es gibt eine jährliche Veranstaltung am Internationalen Holocaust-Gedenktag, städtische Delegationen sind jedes Jahr in der Partnerstadt bei den Feiern zur Befreiung des KZ Dachau und bei den Gedenkfeiern am Loibl. Und es wurde ein eigener Gedenk- und Erinnerungsbeirat installiert.

Die Stadt Klagenfurt steht mit allen diesen Aktivitäten für eine weltoffene und friedensorientierte Gedenkpolitik, die für andere Städte beispielgebend werden soll.

Zeichnen gegen das Vergessen

Mehr als 100 Kohleporträts von Kindern und Jugendlichen, die von den Nazis ermordet worden sind, hat der Künstler Manfred Bockelmann gezeichnet. 30 davon waren 2013 in einer berührenden Ausstellung in der Klagenfurter Stadtgalerie zu sehen. Die beiden Klagenfurter Kinder Evi und Peter Preis (ihnen ist auch ein Stolperstein gewidmet) waren die ersten Opfer denen Bockelmann ein Gesicht gab. Genau darum geht es dem Künstler mit dieser Werkserie: Jenen jungen Juden, Sinti und Roma, die die Nazis komplett auslöschen wollten, wieder ein Gesicht zu geben, ihre Identität zurückzugeben.

Die Vorlagen für die Bilder stammen aus Familienalben, aus erkennungsdienstlichen Akten von Gestapo, SS, Ärzteschaft, für die die Kinder nach ihrer Deportation fotografiert wurden. 
Die Bilder sind unverkäuflich und in Ausstellungen auf der ganzen Welt zu sehen. Bockelmann, in der Nähe von Klagenfurt beheimatet, will noch weitere 80 Opfer porträtieren.

Mehr Infos zu diesem Projekt von Manfred Bockelmann - hier!

Allee der Gerechten

Nach Wien war Klagenfurt die zweite Stadt in Österreich, in der mit einer Installation Menschen gewürdigt wurden, die in der NS-Zeit unter Einsatz des eigenen Lebens Juden vor dem Tod gerettet haben. Zwischen den Bäumen auf dem Neuen Platz wurden Transparente mit den jeweiligen Lebensgeschichten gespannt. Initiator und Projektbetreuer war Josef Neumayr vom Verein „Lernen aus der Zeitgeschichte“. Entstanden ist die Ausstellung „Die Gerechten“ aus dem Projekt „A Letter To The Stars“,  dem größten Schulprojekt Österreichs. Mehr als 60.000 Schüler und Lehrer haben Lebensgeschichten von Ermordeten und Überlebenden des Holocaust recherchiert und dokumentiert. Nachzulesen und zu erleben auf der Webseite www.lettertothestars.at

Kranzniederlegungen Loibl Nord – Außenstelle KZ Mauthausen

Den Loibltunnel, heute von tausenden Autos frequentiert, mußten Häftlinge des Vernichtungslagers Mauthausen bauen. Viele starben, wurden ermordet. In der KZ Außenstelle Loibl Nord waren über 1.800 Häftlinge aus ganz Europa untergebracht, die unter unvorstellbaren Leiden und Qualen den Tunnel durch die Karawanken trieben.
Bei einer internationalen Gedenkveranstaltung, organisiert vom Mauthausen Komitee Kärnten/Koroška und Univ.Prof. Dr. Peter Gstettner wird jedes Jahr an die von den Nazis gequälten und getöteten Mensch erinnert. 

Jedes Jahr auch mit dabei Vertreter der Landeshauptstadt Klagenfurt, die hier Kränze niederlegen.

Viele Jahre war das ehemalige Lager komplett zugewachsen, jetzt sind der Appellplatz und die Überreste einer Baracke bereits zu sehen, Steine zeigen, wo der Stacheldrahtzaun verlief und Holzinstallationen symbolisieren die Wachtürme. 

Die „Baustelle des Todes” wie die Mauthausen-Außenlager Loibl Nord und Loibl Süd genannt wurden, kostete etwa 40 Menschen das Leben. 36 sind bereits namentlich bekannt. Sie starben durch Entbehrungen, Misshandlungen der brutalen KZ-Aufseher, wurden erschossen oder durch Herzinjektionen des Lagerarztes getötet. Ihre Leichen wurden einfach verbrannt. Andere der rund 1.600 hier internierten Zwangsarbeiter wurden bei Krankheit und Arbeitsunfähigkeit zurück nach Mauthausen gebracht und dort ermordet.

Gedenk-Partnerschaft mit Dachau          

Einen wichtigen Schritt in der Erinnerungskultur hat Klagenfurt schon getan, als eigentlich kaum jemand über die Verbrechen der Nazi-Diktatur gesprochen hat, diese verdrängt wurden: 1974 ging man mit Dachau eine Städtepartnerschaft ein. In Dachau wurde von den Nazis das erste Konzentrationslager errichtet und der Name Dachau stand immer auch für den Schrecken und das Grauen dieser Lager.
Neben einer aktiv gelebten Partnerschaft in den Bereichen Kultur, Sport, Verwaltung, wuchs die zwischen den beiden Städten eine Gedenk-Partnerschaft. Bei Gedenkveranstaltungen am Loibl, in Dachau, in Mauthausen oder auch bei der ersten Erinnerungsveranstaltung in Hallein im Jahr 2015, nehmen beide Städte gemeinsam teil.
  • Denkmal für das Außenlager Dachau im Steinbruch in Hallein. Klagenfurt und Dachau legen gemeinsam einen Kranz nieder.
    Denkmal für das Außenlager Dachau im Steinbruch in Hallein. Klagenfurt und Dachau legen gemeinsam einen Kranz nieder.
  • Beim Festakt zur 70jährigen Befreiung des KZ Mauthausen sind die beiden Städtepartner vertreten.
    Beim Festakt zur 70jährigen Befreiung des KZ Mauthausen sind die beiden Städtepartner vertreten.
  • Festakt zur 70jährigen Befreiuung des KZ Mauthausen
    Festakt zur 70jährigen Befreiuung des KZ Mauthausen
  • Todesmarsch-Denkmal in Dachau. An die Qualen erinnert 2015 der Überlebende Abba Naor.
    Todesmarsch-Denkmal in Dachau. An die Qualen erinnert 2015 der Überlebende Abba Naor.
  • KZ Dachau - viele Kärntner und Klagenfurt haben hier gelitten. Auch Klagenfurt legt jedes Jahr in der Gedenkstätte einen Kranz nieder.
    KZ Dachau - viele Kärntner und Klagenfurt haben hier gelitten. Auch Klagenfurt legt jedes Jahr in der Gedenkstätte einen Kranz nieder.
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