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Namensgebung

Der Name Klagenfurt ist – wie auch seine slowenische Entsprechung Celovec– einmalig im deutschen (und slowenischen) Sprachraum: er ist der einzige Name, der das Wort Klage (slowenisch cvilja) enthält.
Urkundliche Belege:
1192-1199 Chlagenuurt, spätere Schreibungen Chlagenvurt, Khlagen- und Chlagenfurt (1335), also nie mit G-.

Daher ist eine Verbindung mit dem Fluss Glanfurt, wie sie oft vermutet wurde - zuerst bei Megiser um 1600  - auszuschließen. Auch die furlanische Bezeichnung Clanfùrt mit [k-] spricht dagegen.

Die slowenische Bezeichnung Celôvec (auch Celóvec) ist urkundlich erstmals 1615 V Zelovzi ʻin Klagenfurtʼ bezeugt, dann im 18. Jhdt. Ziloviz; die heutige Namensform Celovec ist erstmals 1789 in Gutsmanns Deutsch-Windischem Wörterbuch zu finden. Die zahlreichen mundartlichen Varianten des Namens wie Ciljovec, Cevljovec, Cvilovec, auch gekürzt Clovc, weisen auf eine frühslawische Ausgangsform *cviľovьcь bzw. altslowenisch *Cviljovec hin.

Daneben kommen gelehrte lateinische Namensformen vor, aus der Zeit des Humanismus stammend wie Claudiforum oder Forum Claudii, weiters im 14. Jhdt. eine Übersetzung Querimoniae vadus bei Johann von Viktring.

Zunächst erklärte man den Namen Klagenfurt mythologisch. An der in früheren Zeiten nur sehr mühsam zu überwindenden und unfallträchtigen Furt (auch mit tödlich ausgehenden Unglücksfällen) über die Glan und das sich im Süden anschließende Sumpfgebiet zwischen Glan und Glanfurt habe eine sagenumwobene Furt- und Wasserfrau ihr Unwesen getrieben, die man Klage nannte. Der Sage nach habe diese an Bächen und Quellen Wäsche gewaschen und Todesfälle angekündigt. So sei der Name als ʻFurt der Klageʼ bzw. slowenisch ʻOrt der Klageʼ zu verstehen (so P. Lessiak und E. Kranzmayer). Vielfach führte man ihn auch auf Glanfurt ʻ, Furt über die Glanʼ zurück, doch dagegen spricht, dass der Name in dieser Form erst seit der Neuzeit auftritt´(s.o.).

Ein anderer Erklärungsversuch geht von einem romanischen Namen aus, z.B. *Aquilava bzw. -avu (zu lateinisch aqua ʻWasserʼ, so F. Ramovš). Der Schlüssel zu einer solchen Erklärung des Namens Klagenfurt liegt in seiner slowenischen Entsprechung Celôvec (auch Celóvec), die urkundlich bis ins 16. Jhdt. zurückverfolgt werden kann. Die zahlreichen mundartlichen Varianten des Namens (s.o.) weisen auf eine frühslawische Ausgangsform *cviľovьcь bzw. altslowenisch *Cviljovec hin, die lautlich auf ein romanisches Grundwort *aquil- bzw. *l’aquil- (mit Artikel) ‘Ort, Platz am bzw. mit Wasser’ weisen, genauer *aquiliu bzw. *lʼaquiliu. Diese romanische Ausgangsform *lʼaquiliu wurde zunächst zu *la quiliu umgeformt und ohne Artikel ins Slawische als *kviľŭ entlehnt und weiter zu *cviľь und schließlich mit dem in Ortsbezeichnungen nicht seltenen Wortbildungselement -ovьcь  (> slow. -ovec) erweitert. So entstand dann frühslowenisch *Cviljovec. Da slowenisch cvilja (zufällig) ‘(Weh-) Klage, Gejammer usw.’ bedeutet, wurde dies ins Deutsche mit ‘Klage’ übersetzt und es entstand die der Lage des Ortes an einer Furt entsprechende Bezeichnung Klagenfurt, wobei auch die mythologische Figur der ‘Klage’ an der unfallträchtigen Furt volks­etymologisch entscheidend mitgespielt hat. Dies widerspiegelt auch die enge Verschränkung beider Landessprachen.

 

                                                                                                                                                                     Univ.Prof. Dr. Heinz-Dieter Pohl

 

Lit.: Heinz-Dieter Pohl, Kleines Kärntner Namenbuch, Klagenfurt 2013, 71f.; Derselbe, Die Orts- und Flurnamen des Klagenfurter Raumes nach dem Franziszeischen Kataster, in: Werner Drobesch (Hg.), Kärnten am Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft, Klagenfurt 2013, S. 171-185, 178; Derselbe, Zum Namen der Stadt Klagenfurt/Celovec, in: KulturLandMenschen. Die Kärntner Landsmannschaft H. 5-6, Klagenfurt 2018, 6-8; Derselbe, Klagenfurt 500 Jahre „ständische Stadt“. Zum Namen der Kärntner Landeshauptstadt, in: Österreichische Namenforschung Jg. 46/2018 (in Druck).

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