Ostern - Bedeutung und Brauchtum

Ostern ist ein bewegliches Frühlingsfest. Dies bedeutet, dass es alljährlich das Datum wechselt. Im Jahre 325 n. Ch. wurde seitens der Kirche (erstes Konzil von Nicea) festgelegt, dass Ostern am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond sein soll. (Frühlingsanfang am 21. März). Demnach ist Ostern frühestens am 22. März und spätestens am 25. April.

Ostern ist das Fest der Auferstehung von Jesus. In der vorausgehenden Karwoche gedenkt man des Leidens und Sterbens Jesu. Wie die Natur im Frühling erwacht, so kommt es zur Auferstehung Jesus. Das Wort "Ostern" kommt von der Himmelsrichtung, wo die Sonne am Morgen aufgeht, also vom Osten. Sucht man nach einer Erklärung für das Wort "Karwoche", so findet man sie in der althochdeutschen Bezeichnung "Kara", was Trauer und Klage bedeutet. 

Am Beginn der Karwoche steht der PALMSONNTAG. Er hat mit dem Einzug von Jesus in Jerusalem eine freudige Stimmung. Das Volk bereitete ihm einen triumphalen Empfang. Man breitete Kleider auf dem Boden aus und brach Öl- oder Palmzweige ab.
Heute werden Palmbuschen oder Palmbesen als Erinnerung daran zur Segnung mitgebracht. Je nach Talschaft sind im Buschen unterschiedliche Inhalte zusammengebunden. Die Palmkätzchen, deren Blütenknospen geöffnet sind, erinnern an das Fell der Katze. Die Palmbuschen haben besondere Schutzfunktionen im Brauchtumsjahr.

Mit dem GRÜNDONNERSTAG erreicht die Trauerwoche einen ersten Höhepunkt. Die Kirchenglocken verstummen. Man sagt, die
Glocken fliegen nach Rom. Ihre Aufgabe übernehmen die Ratschen. Es ist wie am Karmittwoch die Zeit der Pumpermetten
zur Erinnerung an den Lärm des "Hohen Rates" und Fußwaschungen werden als Zeichen besonderer Demut am
Donnerstag gemacht.

Am KARFREITAG, dem Todestag Christis, herrscht tiefe Trauer und Stille. Er ist der strengste Fastentag des Jahres. Heilige Gräber werden in den Kirchen dargestellt und zur Andacht angeboten. Am Karfreitag und am Karsamstag findet als Zeichen der Trauer keine Eucharistiefeier statt. Am KARSAMSTAG feiert die Kirche in einer Osternachtsfeier die AUFERSTEHUNG.

Am Morgen des Karsamstages erfolgt vor der Kirche die Feuerweihe, die eigentlich eine Segnung ist. Früher warteten Kinder mit Lärchenschwämmen, die an einem Draht befestigt sind, bis sie in die Glut "eintauchen" durften. Die glimmende Schwämme wurden nach Hause gebracht und das neue Feuer entzündet. Die zu kochenden österlichen Köstlichkeiten sollten nach
der langen Fastenzeit besser verdaulich sein. Auch die Weihe der Osterkerze und des Wassers waren und sind wichtige Handlungen des Karsamstages. Schließlich ist die Segnung des Speisenkorbes ein besonderer Höhepunkt, der nach einer mehr oder weniger strengen Fastenzeit die lukullischen Freuden oft ins Unerträgliche steigern lässt.Das Osteressen am Karsamstag nach der Auferstehung oder am Ostersonntag beginnt mit dem Entzünden der bunten Osterkerz durch den Ältesten am Tisch. Zum Osteressen gehört natürlich ein herrlicher Schinken, Würste, Eierkrenn, rote Ostereier (auch Bluttropfen Christ genannt), geselchte Schweins- oder Rindszungen, ein Osterreindling und Osterbrot, Salz und Pfeffer. Je nach Gegend gibt es auch spezielle Osterköstlichkeiten (z.B. gefüllte Butter im Gegendtal).


Der OSTERSONNTAG ist neben dem üblichen Kirchgang auch der von vielen Kindern ungeduldig erwartete Tag der Patengeschenke. Bis zum 14. Lebensjahr brachten die Gotl oder der Goter je nach Wohlstand einen Reindling mit Ei und Süßigkeiten. Auch eine Münze war und ist gelegentlich im Reindling versteckt. Kinderspiele wie das Eiertschecken, Eierpecken, Eierrollen und das Ganslanlaufen verschönern diesen Tag.


Der OSTERMONTAG wird als Tag des Singens in Gruppen gefeiert. Zumeist sind es Anhöhen, von denen unsere herrlichen
Kärntner Lieder erschallen. Das biblische Emausgehen hat im Osterspaziergang eine Entwicklun erlebt, die in neuer Trachtenkleidung das Ostergefühl nochmals belebt. Gleiches gilt für den Besuch der Fastentücher.

Essen und Trinken begleiten Ostern als kirchliches Hauptfest. Gerne werden als Liebesgaben Ostereier verschenkt. Sie sind als
Symbol der Fruchtbarkeit seit Jahrtausenden bekannt und wurden als Zinseier an die Herrscher im Mittelalter gerne als Zahlungsmittel für die Pacht verwendet. Unsere bäuerlichen Vorfahren färbten die eingelagerten Eier unterschiedlich nach Legewochen, um die Frische festzustellen. Heute erlebt man die große Kunstfertigkeit der Frauen und Männer durch verschiedene Mal- und Gestaltungstechniken zur Herstellung von Ostereiern. Sie sind Liebesgaben und erinnern an die "Sprucheier" alter Zeiten, wo es einfach hieß: "Dies Ei ist rot - ich lieb' dich bis in den Tod".

Das zweite Fruchtbarkeitssymbol, der Eier legende oder bringende Osterhase, hat die angedachte Funktion von seiner hockenden, wie Eierlegen wirkenden Erscheinungsart, erhalten. Sieht man weit zurück durch das Dunkel von Jahrtausenden wird es offensichtlich, dass Ostern als Vorläufer Frühlingsfeste hat, die oft Wochen dauerten und stets die "Fruchtbarkeit" als zentrales Anliegen festlegten.


Dr. Wolfgang Lattacher
Brauchtumsexperte