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25 Jahre Alkoholberatung in Klagenfurt

(22.03.2011)
Am Donnerstag, den 31. März um 19 Uhr, feiert die Alkoholberatungsstelle ihren 25. Geburtstag im Gemeindezentrum St. Ruprecht.
Durch den Abend führt Kabarettist Josef Burger, der auch sein Programm „Rauschfrei“ präsentiert. Burger war schwer abhängig und hat sich selbst befreit. „Er nimmt kein Blatt vor den Mund, sein Kabarett ist eine Gratwanderung zwischen weinen und lachen – ein aufrüttelnder Zugang zum Thema Alkoholsucht“, lädt Gesundheitsreferentin Vizebürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz zu der Veranstaltung ein. Gefeiert wird bei Musik von „StandArts“, einem Buffet und alkoholfreien Getränken.

Die Angebote der Alkoholberatungsstelle sind anonym und kostenlos. Derzeit werden 430 Klienten beraten und betreut, neben 350 Abhängigen oder stark Gefährdeten auch 80 Angehörige. Rund ein Drittel der Betroffenen sind Frauen, ihr Anteil bei den Angehörigen beträgt 80 Prozent.
Rund 80 Prozent der Klienten sind zwischen 40 und 60 Jahre alt, denn die Beratung wird meist erst nach zehn bis 15 Jahren Abhängigkeit gesucht. Aber bereits Schüler und Jugendliche sind unter den Klienten zu finden. Sie werden von der Jugendwohlfahrt zugewiesen und befinden sich meist in schwierigen Situationen: Entweder handelt es sich um Scheidungswaise, oder ein Elternteil ist schwer Alkohol-abhängig. Und sie alle sind arbeitslos, ohne Tagesstruktur. Kinder abhängiger Eltern tragen ein sechsmal höheres Risiko, selbst abhängig zu werden, als Gleichaltrige.

Insgesamt werden jährlich 2.300 Einzel- und Paarberatungsgespräche durchgeführt, Tendenz steigend. „ Die Gespräche sollen Hilfe im täglichen Leben bieten – zeigen, dass das Leben auch ohne Alkohol lebenswert ist“, erklärt DSA Ernst Nagelschmied, Leiter der Suchtberatungsstelle. Ziel ist die familiäre, soziale und beruflich-finanzielle Rehabilitation der Klienten sowie Hilfsangebote für Angehörige über den richtigen Umgang mit dem Erkrankten. Denn Alkoholsucht ist eine schwere Erkrankung.


Ein weiterer Schwerpunkt ist die Gruppentherapie, die einmal wöchentlich, wirklich 52 mal im Jahr, für abstinente, also „trockene“ Alkoholkranke stattfindet. Rund 30 Betroffene nehmen daran teil, sie kommen aus allen Berufen und Gesellschaftsschichten.

Als dritter Schritt werden zur Aufrechterhaltung der Abstinenz zahlreiche Freizeit-, Sport- und kreativtherapeutische Aktivitäten angeboten.

Etwa jeder zweite Klient der Beratungsstelle schafft den dauerhaften Ausstieg. Ohne Nachbetreuung liegt die „Erfolgsquote“ bei nur einem von hundert. „Dieser Erfolg ist allein den Betreuern zu verdanken, sie sind authentisch, mit Herz und Seele bei der Sache,“ bedankt sich Vizebürgermeisterin Dr. Maria-Luise Mathiaschitz bei dem Beratungsteam.

In den 25 Jahren des Bestehens der Beratungsstelle hat sich einiges verändert. Die Klientenanzahl hat sich vervielfacht, das Durchschnittsalter ist gesunken. Und auch der gesellschaftliche Umgang ist ein anderer geworden. „In den Achtzigern musste man etwa zu Silvester bis zu 45 Minuten auf sein alkoholfreies Getränk warten, heute sind bei Veranstaltungen zwei Drittel der Begrüßungsgetränke alkoholfrei“, erinnert sich Ernst Nagelschmied. Und im Straßenverkehr ist die Promille-Grenze von 0,8 auf 0,5 gesenkt worden.

Doch nach wie vor besteht die Notwendigkeit, mit Gesetzen gegenzusteuern. „Es kann nicht toleriert werden, dass alkoholische Getränke, zum Beispiel in Form von Alkopops, für immer jüngere Zielgruppen bereitgestellt werden“, betont die Gesundheitsreferentin. Denn bereits Zehn- bis Zwölfjährige praktizieren zum Wochenende das „Komatrinken“.


Alkoholberatungsstelle der Landeshauptstadt Klagenfurt a. W.
Kumpfgasse 20/III, 9020 Klagenfurt am Wörthersee
Telefon: 0463 / 537 – 4671
E-Mail: alkoholberatung@klagenfurt.at
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