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13 Jahre Spielsuchtberatung

(09.05.2011)
Seit 13 Jahren bietet die Landeshauptstadt Klagenfurt Beratung und Hilfe für Spielsüchtige an. Die Zahl der Betroffenen ist dramatisch gestiegen.
Die „13“ ist im Glücksspiel eine magische Zahl – so heißt es jedenfalls. Passend dazu feiert die Spielsuchtberatung heuer am Freitag, den 13. Mai ihr 13-jähriges Bestehen.
Etwa acht Spielsüchtige gab es 1997 – dann wurde das „Kleine Glücksspiel“ legalisiert. Seit dem ist die Anzahl auf etwa 466 Klienten angestiegen. Die Spielsuchtberatung entstand als Reaktion auf die Änderung des Kärntner Veranstaltungsgesetzes im Jahr 1997 bzw. 1998. Im Laufe der Jahre entstanden viele kleine Spielcasinos, die damit warben, mit nur wenig Einsatz an den Automaten den großen Gewinn zu kassieren. Heute gibt es in Klagenfurt ca. 240 Automaten, durch die Vergnügungssteuer verdient das Land Kärnten dabei etwa 3 Millionen Euro im Jahr. „Es ist unsere moralische Verpflichtung, nicht nur einzunehmen, sondern sich in diesem Fall auch um die Folgen zu kümmern.“ appelliert Gesundheitsreferentin Vizebürgermeisterin Dr. Maria-Luise Mathiaschitz.

Zugang für Minderjährige kein Problem

Der leichte Zugang zum Glücksspiel ließ nicht nur die Anzahl der Suchtgefährdeten dramatisch ansteigen, die Klienten werden außerdem immer jünger. Da in den Spielsalons so gut wie gar keine Ausweiskontrollen stattfinden, ist es für Minderjährige kein Problem an den Automaten ihr Glück zu versuchen. 24 Stunden-Öffnungszeiten, kostenloser Alkoholausschank bei Benützung der Automaten oder bargeldlose Bezahlungen erschweren das Spielsuchtproblem außerdem.
Neben hohen Verschuldungen der Klienten sind Vereinsamung, Aufbau von Lügenkonstrukten im eigenen Umfeld bis hin zur Beschaffungskriminalität die häufigsten Folgen. „Wenn man bedenkt, dass 70 % der Automatenüberfälle von Spielsüchtigen begangen werden, ist das eine äußerst alarmierende Entwicklung“, so Vizebürgermeisterin Dr. Mathiaschitz. „Es ist kaum zu glauben, was sich ein Spielsüchtiger so alles einfallen lässt, um an Geld zu kommen. Das Verkaufen der Eheringe, das Plündern der Sparbücher der eigenen Kinder sind da nur Kleinigkeiten“, erzählt Ernst Nagelschmied, Leiter der Suchtberatung.
Was ursprünglich mit ein paar Klienten im Alter zwischen 40 und 50 Jahren, die in den großen Spielscasinos Schulden anhäuften, begann, sind heute 20 bis 30-jährige junge Erwachsene, die ihre gesamte Zukunft sprichwörtlich aufs Spiel setzen. Ein 25-jähriger mit 40.000 Euro Schulden sind da keine Seltenheit.
Derzeit nehmen etwa 60 Personen regelmäßig an Einzel- und Gruppengesprächen in der Spielsuchtberatung der Stadt Klagenfurt teil.

Für Gesundheitsreferentin Dr. Maria-Luise Mathiaschitz ist das wesentliche der Spielerschutz. 2010 wurde die Novellierung des Glücksspielgesetzes beschlossen, bis 2014 muss das Landesgesetz diese umgesetzt haben. Durch den rasanten Anstieg der spielsüchtigen Klienten fordert sie die Einrichtung einer Arbeitsgruppe in der Abteilung 7, die bei der Ausarbeitung der Landesgesetzlichen Regelung als Unterstützung wirken soll. Die Arbeitsgruppe soll laut Mathiaschitz aus Juristen und Experten der Spielsuchtberatung bestehen. „Diese Vorgehensweise soll gewährleisten, dass der Schutz der betroffenen Spielerinnen und Spieler vorrangig berücksichtigt wird und eine adäquate Aufteilung der finanziellen Mittel für therapeutische Maßnahmen einfließt“, betont die Vizebürgermeisterin in einem Schreiben an die Kärntner Landesregierung.

Die Spielsuchtberatung feiert ihr 13-jähriges Bestehen am 13. Mai, ab 8 Uhr im Schloss Maria Loretto. Unter dem Motto „Freitag der 13. …“ gibt es an diesem Tag interessante Vorträge zur Glücksspielreform 2010, Hintergründe, Verlauf und Therapie der Spielsucht oder Informationen zur Spielersuchtmaßnahmen der Casinos Austria AG.
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