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Bessere Rahmenbedingungen für Pädagogen

(24.01.2013)
Immer mehr verhaltensauffällige Kinder. Schulreferentin unterstützt Pflichtschulpädagogen bei Verbesserung der Rahmenbedingungen.
Veränderte gesellschaftliche Bedingungen und die immer größer werdende Anzahl an verhaltensauffälligen Kindern erschwert die Arbeit von Pädagoginnen und Pädagogen in den Pflichtschulen der Ballungszentren. Klagenfurts Schulreferentin und Arbeitsgruppe des Klagenfurter Präventionsforums wollen organisatorische Rahmenbedingungen für Pädagoginnen und Pädagogen verbessern.

In den vergangenen Jahren ist die Zahl verhaltensauffälliger Kinder stark angestiegen. Nicht intakte Familienverhältnisse, Wohlstandsverwahrlosung, Misshandlungen, aber auch schwierige Lebenssituationen von allein erziehenden Elternteilen sind einige von vielen Faktoren, die die Bedürfnisse und Verhaltensweisen von Kindern beeinflussen. Aggressives Verhalten, Konzentrationsstörungen, Regelverletzungen und Aufmerksamkeitsdefizite bei Kindern stellen Pädagoginnen und Pädagogen vor neue, schwierige Herausforderungen.
Mit dieser Problematik häufig konfrontiert, will Klagenfurts Schul- und Gesundheitsreferentin Vzbgm. Dr. Maria-Luise Mathiaschitz nun wichtige Schritte unternehmen und Rahmenbedingungen in den städtischen Pflichtschulen verbessern. „Die Arbeitsbedingungen und die Gesundheit der Pädagogen und die Ausbildung der Kinder sind ein sich gegenseitig bedingendes Thema. Es ist wichtig, das wir uns der auftretenden Problematik stellen und Rahmenbedingungen schaffen, die den Pädagogen das unterrichten und Kindern und der Jugend eine profunde Ausbildung ermöglichen“, so Mathiaschitz.

Im „Präventionsforum“, das auf Initiative der Gesundheits- und Schulreferentin ins Leben gerufen wurde, sind in mehreren Sitzungen der Arbeitsgruppe „Umgang mit verhaltensauffälligen Schülern – Schule 2020“ mit betroffenen Lehrerinnen und Lehrern und der Leiterin des amtsärztlichen Dienstes und Präventionsbeauftragten der Stadt Klagenfurt, Dr. Birgit Trattler, besprochen worden. Tatsache ist: bereits ein bis zwei verhaltensauffällige Kinder binden die Ressourcen des Pädagogen. Der Rest der Klassenschüler wird dadurch in der Lernbereitschaft gebremst.
Aber nicht nur Störaktionen und Verhaltensauffälligkeit in der Klasse, auch ein im steigen begriffenes aggressives Verhalten Lehrern gegenüber, sowie permanente Regelverletzungen sind bis an die Grenze der Belastbarkeit gehende Herausforderungen für Lehrerinnen und Lehrer. Die Burn out-Rate bei Pädagogen steigt ebenso wie die Krankenstandshäufigkeit, die durch Überlastungen begründet sind, weiß Lehrer-Personalvertreter Stefan Sandrieser.

Gemeinsam wurde nun eine Resolution mit elf wesentlichen Punkten formuliert, die dringend notwendige Forderungen an die Verantwortlichen von Stadt und Land stellen. „Eine Veränderung organisatorischer Rahmenbedingunden ist dringend notwendig“, betont Vzbgm. Mathiaschitz, „und wir müssen uns den neuen Herausforderungen stellen“.
In Zukunft werden zusätzliche Pädagogen notwendig sein, die Kinder bei Eskalationen kurzfristig aus der Klasse nehmen und in einen so genannten „Time out“-Raum bringen können, damit der Rest der Schüler in der Klasse ungestört weiter unterrichtet werden kann. Auch Schulpsychologen für jeden Schulstandort werden gefordert – derzeit steht sämtlichen rund 6000 Klagenfurter Pflichtschülern nur ein Schulpsychologe zur Verfügung.

Wichtig wären auch Kassenplätze für Klinische Psychologen und Kinderneuropsychiater. Denn viele Eltern, deren Kinder dringend professionelle diagnostische Behandlung bräuchten, können sich Privatärzte bzw. privat zu bezahlende Psychologen nicht leisten. Ein weiteres Thema der Resolution ist die Reduzierung der Klassenschülerzahl auf 20.

Kooperationen mit Sportvereinen, Theater und Musikschule mit dem Ziel, Kinder zu erreichen, die diese Institutionen normalerweise nicht aufsuchen und hier sinnvolle Freizeitbeschäftigung und soziale Kontakte erleben, laufen bereits und bringen erste Erfolge.

Vzbgm. Dr. Maria-Luise Mathiaschitz steht voll und ganz hinter den Forderungen der Pädagoginnen und Pädagogen, die sie selbst als Hilferuf sieht. „Die Resolution wird von mir im Schulausschuss und im Gemeinderat vorgelegt werden und auch an die Zuständigen im Land weiter geleitet. Wir können nicht die Gesellschaft verändern. Aber wir müssen dazu beitragen, dass Pädagoginnen und Pädagogen in den Pflichtschulen Rahmenbedingungen vorfinden, sodass ihnen ein möglichst unproblematisches Unterrichten und den Schülern Bildung ermöglicht wird“. Die Schulreferentin betont, dass selbstverständlich der weitaus größte Teil der Schülerinnen und Schüler sich gut und positiv entwickelt. Wir dürfen aber die Augen nicht vor der Tatsache verschließen, dass mehr schwierige Kinder auch mehr Schwierigkeiten im Schulumfeld und problematische gesellschaftliche Folgen verursachen. Ihr ist es wichtig, die Situation so rasch und effektiv wie möglich zu verbessern.


 

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