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Gertraud Klemm wird neue Stadtschreiberin

(11.07.2014)
Heurige Bachmannpreis-Publikumssiegerin lebt und arbeitet ab Juni 2015 für sechs Monate in Klagenfurt.
Gertraud Klemm, vielbeachtete Publikumspreisträgerin der 38. Tage der deutschsprachigen Literatur, wird im kommenden Jahr für sechs Monate das kulturelle Leben in Klagenfurt bereichern. In ihrem Romandebüt „Herzmilch“ beschreibt sie den Werdegang einer jungen Frau mit kritischem Blick auf gängige Geschlechterrollen und erntete viel Beifall seitens der Jury und vor allem auch seitens des Publikums.
Als Gewinnerin des Publikumspreises wird die Autorin aus Niederösterreich, wie in den Jahren zuvor üblich, im Folgejahr Stadtschreiberin in Klagenfurt. Das Stipendium beträgt 5.000 Euro und ist an einen Aufenthalt in Klagenfurt gebunden.

Nach 15-jähriger Pause bezogen im Jahre 2010 der deutsche Historiker und Publizist Karsten Krampitz und im Jahr darauf Peter Wawerzinek, Schriftsteller aus Rostock, im Vorjahr die österreichische Autorin Cornelia Travnicek und heuer die aus Vorarlberg stammende Schriftstellerin Nadine Kegele jeweils für sechs Monate das Schriftstelleratelier im Europahaus. Mit Juni 2015 folgt Gertraud Klemm.

Zur Vita der Schriftstellerin


Gertraud Klemm
geb. Gertraud Schiel, 1971 in Wien, aufgewachsen in Baden bei Wien. Biologiestudium, hygienische Gutachterin bei der Stadt Wien bis 2005. Ab 2006 berufliche Umorientierung. Arbeit als Autorin und Schreibpädagogin.  Veröffentlichungen, mehrere Preise, Stipendien, zuletzt Projektstipendium des BMKK 2014/15. Publikumspreis des 38. Ingeborg Bachmann Preises 2014. Zuletzt erschienen: „Herzmilch“ bei Droschl, 2014. Sie lebt mit ihrer Familie in Pfaffstätten, Niederösterreich.

 


Veröffentlichungen (Auswahl)
• Herzmilch. Roman. Droschl, Graz. 2014
• „der geschälte tag.“ Ein Dialog. Lyrik. Edition Niederösterreich, Herbst 2014
• Mutter auf Papier. Prosa., Arovell, 2010
• Höhlenfrauen. Erzählungen. Milletré, 2006

Auszeichnungen / Stipendien (Auswahl)
• Publikumspreis der Tage der Deutschsprachigen Literatur Klagenfurt
mit Stadtschreiberstipendium Klagenfurt 2015
• Projektstipendium für Literatur BMKK 2014/15
• Wiener Literatur Stipendium 2014
• Irseer Pegasus Literaturpreis 2014
• NÖ Anerkennungspreis für Literatur 2012
• Harder Literaturpreis 2012
• Lise Meitner Literaturpreis 2011
• Hans Weigel Literaturstipendium 2010/2011

Auszug aus „Herzmilch“
In einem großen Haus voller Kinder wächst ein Mädchen auf wie alle anderen; statt für Puppen interessiert sie sich für Wasserkäfer, und dass im Fernsehen immer nur Männer kochen, irritiert sie. Sie wird allmählich erwachsen – Diätwahn, sexuelle Eskapaden, Zorn, Sehnsucht, Orientierungslosigkeit und Selbstzweifel inbegriffen. Sie lässt sich treiben, von Schule zu Uni zu Arbeitsplatz, von Beziehung zu Beziehung – immer auf der Suche nach ihrer Bestimmung »als Frau«, hinter der sie dumpf die Mutterschaft vermutet (und befürchtet): Alle Welt scheint nichts anderes im Kopf zu haben als sich fortzupflanzen. Aber so viel Unentschlossenheit geht nicht allzu lange gut.

Gertraud Klemms Debüt bei Droschl ist ein vor Lebendigkeit sprudelnder Roman mit wachem, klarem Blick auf alte und neue Geschlechterrollen. Sein Witz und sein Humor übertönen aber nie den Ernst der Lage – nämlich die Trägheit der Verhältnisse, den Druck der inneren Zwänge und Neurosen und die Aussichtslosigkeit, wenn alles anders läuft als geplant.
Mit „Herzmilch“ ist Gertraud Klemm ein Romanerstling gelungen, der ein altes und immer gleich heißes Eisen originell, schonungslos und temperamentvoll anpackt und neu formuliert.

Jurystimmen:
Daniela Strigl: „Ein sehr kunstvoller rhythmisierter Text, eine atemlose Anklage. Ganz großartige Bilder, die einen überraschen, weil sie aus dem Hinterhalt kommen. Ich bin glücklich mit solchen Texten.“
Meike Feßmann: „Sehr schön, bösartig, mir hat diese Geschichte sehr gut gefallen.“
Hubert Winkels: „Sehr österreichisch - man hört Bernhard und Jelinek darin. Sehr witzige, pointierte Szenen.“
Hildegard Keller: „Ein Stück Wutliteratur, entzündet an einem Muttertagsfiasko - sehr gut gemacht.“

Pressestimmen:
„Ein von Sprachkraft und kritischer Ernsthaftigkeit geprägtes Debüt“ (Christian Metz, FAZ)

„Ein Buch, das tief aus der Seele spricht, den Finger in die offenen Wunden legt und zeigt, wie Frauen auch heute noch Unterdrückte der Gesellschaft sind. Eine tolle Entdeckung, der dringend viele Leser zu wünschen sind!“ (Mareike Liedmann, ekz)

„Gertraud Klemms Romanerstling ist eine glasklare und nüchterne Bestandsaufnahme und zugleich eine sehr poetische Anklage.“ (Barbara Geschwinde, WDR5)

„Auf ihrer Suche nach einem ehrlichen, stichhaltigen und tragfähigen Selbstverständnis von Frau-Sein greift Gertraud Klemm mit beiden Händen ins pralle Leben. Indem sie zügig, bisweilen atemlos die Sozialisation eines weiblichen Menschen über einen Zeitraum von etwa 30 Jahren erzählt, durchleuchtet sie zeitlich und räumlich wesentliche Bereiche und Herausforderungen im Leben einer Frau. Mit erstaunlichem Mut, mit wilder Entschlossenheit und Humor fasst Klemm das Thema Frau-Sein an und gibt ihm mit viel Witz eine bekömmliche, bisweilen aber auch beklemmende Frische.“ (Herbert Först, Literaturhaus Wien)

„Pflichtlektüre“ (Werner Krause, Kleine Zeitung)

 

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