Zum Inhaltsbereich springen

Stolpersteine wider das Vergessen

(04.07.2014)
Zwölf weitere "Stolperstein"-Messingtafeln erinnern an Opfer des Nazi-Regimes, die aus Klagenfurt vertrieben wurden.
Mit dem Kunst- und Erinnerungsprojekt „Stolpersteine“ wird an das Schicksal jener Menschen erinnert, die in der Zeit des Nationalsozialismus vertrieben, deportiert und ermordet wurden. In der zweiten Phase des internationalen Projekts wurden heute, Freitag, weitere 12 pflastersteinförmige Messingtafeln gelegt, in welche Name und Jahrgang der Opfer graviert sind, ebenso wie jener Ort, an dem sie auf grauenvolle Weise ihr Leben lassen mussten.

„Mit der heutigen Stolperstein-Legung erinnern wir uns an Opfer des Widerstandes, der Euthanasie und an die jüdischen Bürgerinnen und Bürger, die in Klagenfurt gewohnt, gelebt und gearbeitet haben“ sprach Bürgermeister Christian Scheider beim Festakt im Landhaushof. Scheider betonte die internationale Bedeutung dieses Erinnerungsprojektes. „Der Kölner Künstler Günther Demnig, hat bereits mehr als 35.000 Stolpersteine in ganz Europa gesetzt. Auch unsere erste Phase im März 2012 mit elf Steinen hat sich weit über die Grenzen des Landes herum gesprochen. Wir begrüßen heute Angehörige von Opfern bei uns, die aus Israel angereist sind und auch eine Abordnung aus der Partnerstadt Dachau ist gekommen, um diesem Akt des Gedenkens und Erinnerns beizu¬wohnen“, so der Bürgermeister.

Scheider dankte den Initiatoren des Projekts in Klagenfurt, Gemeinderätin Sieglinde Trannacher, die für die Österreichisch-Israelische Gesellschaft tätig ist, Universitätsprofessor Dr. Peter Gstettner (Beirat für Erinnerungskultur der Landeshauptstadt Klagenfurt) und dem eigens für die heutige zweite Phase angereisten Kölner Künstler Gunther Demnig, der jeden einzelnen Stein persönlich vor den Wohnadressen der Opfer gesetzt hat.
Der Bürgermeister wies auch auf die zahlreichen Aktivitäten hin, die die Stadt wider das Vergessen setzt: darunter die „Allee der Gerechten“, die sanierung des jüdischen Friedhofs in Klagenfurt und die bevorstehende Präsentation des Modells des jüdischen Gebetshauses im November. „Und wir wollen die Erinnerungsarbeit in unserer Stadt noch weiter entwickeln“, sagt Scheider.

Initiatorin Sieglinde Trannacher dankte dem Bürgermeister und der Klagenfurter Stadtregierung für die Unterstützung in allen Belangen der Gedenkkultur, sowie allen, die sich an der Realisierung der Gedenkveranstaltung beteiligt haben.
Besonders hervor gehoben wurde die 7C-Klasse des Ingeborg-Bachmann-Gymnasiums: die Schülerinnen und Schüler haben ihr Taschengeld für den Stolperstein vor dem Haus von Walter Tollinger am Alten Platz 1 gespendet und sind somit junge, engagierte Paten des Projekts.

Der Künstler Gunther Demnig will mit dem Projekt, das 1993 seinen Anfang genommen hat, den Opfern, denen alles genommen wurde und die vor ihrem Tod nur mehr Nummern waren, wieder ihren Namen und damit ihre Würde geben. Denn: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ (Talmund).

Eigens aus Israel ist Ron Itzhaki angereist, er ist Urenkel von Eleonore Ostermann, die 1942 im Vernichtungslager Treblinka ermordet wurde. Frau Ostermann wohnte in der St. Veiter Straße 4 und betrieb einen Gemischtwarenladen gleich gegenüber ihrer Wohnadresse. Ihre Enkelin Ester Itzhaki, heute 86 Jahre alt, konnte aufgrund einer Operation nicht nach Klagenfurt mitreisen. Bürgermeister Scheider überreichte daher ihrem Sohn ein Gemälde mit einer wunderschönen Klagenfurter Ansicht, dass er seiner Mutter mit den besten Genesungswünschen überreichen soll. Elvira Ester Itzhaki hat selbst die Gräuel des NS-Regimes miterlebt. Vor 76 Jahren wurde sie aus ihrer Klasse in der Benediktinerschule von Uniformierten „abgeholt“ und vertrieben weil sie Jüdin war. Heute lebt sie in Tel Aviv.

In der zweiten Phase wurden heute 12 Stolpersteine für folgende Personen gelegt:

Georg Lexer
(geboren 1888 – gestorben am 3.8.1941 im KZ Buchenwald)

Karl Strauss
(geboren 1896 – gestorben am 15.4.1945 im KZ Dachau)

Anton Falle
(geboren 1886 – gestorben am 15.1.1945 im KZ Dachau)

Stefanie Laimgruber
(geboren 1912 – gestorben im KZ Hartheim)

Leon Linker
(geboren 1907 – gestorben am 12.10.1941 im KZ Sabac/Serbien)

Hedwig Linker
(geboren 1914 – gestorben 1942 im KZ Sajmiste bei Belgrad)

Eva Linker
(geboren 1938 – gestorben 1942 im KZ Sajmiste bei Belgrad)

Regine Linker
(geboren 1871 – gestorben am 1.1.1940 in Wien)

Samuel Linker
(geboren 1876 – gestorben am 9.2.1940 im KZ Buchenwald)

Josef Logar
(geboren 1915 – gestorben am 7.4.1945 in der Kaserne Wetzelsdorf/Graz)

Eleonore Ostermann
(geboren 1896 – gestorben 1942 im Vernichtungslager Treblinka)

Walter Tollinger
(geboren 1901 – gestorben am 8.12.1944 in der Justizanstalt Graz.
Scrolle nach oben