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Goldene Medaille für Dr. Peter Gstettner

(24.01.2015)
Er ist der unermüdliche Mahner wider das Vergessen der Nazi-Gräuel. Jetzt erhielt Univ.Prof. Dr. Peter Gstettner die Goldene Medaille der Stadt Klagenfurt.

Das Wochenende um den 24. Jänner stand in der Stadt Klagenfurt ganz im Zeichen der Erinnerungskultur. Samstagnachmittag wurde die Goldene Medaille der Landeshauptstadt an Univ.Prof. Dr. Peter Gstettner verliehen und Sonntag lud die Stadt zur Gedenk-Matinée anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages.  

Zum Festakt für Dr. Peter Gstettner im Gemeinderatssaal des Klagenfurter Rathauses kamen viele Ehrengäste, darunter auch Weggefährten des Universitätspro­fessors, der seit knapp 35 Jahren in Kärnten engagiert gegen das Verdrängen der Nazi-Verbrechen kämpft und sich für ein tolerantes Miteinander der beiden Volksgruppen einsetzt. Bei der Feier mit dabei auch Ernst Grube, KZ-Überlebender aus der Partnerstadt Dachau, sowie Hannelore Brenner-Wonschick und Helga Pollak-Kinsky, Herausgerberin und Autorin eines Buches über das KZ Theresienstadt, dem bei der Gedenkmatieée großer Raum gewidmet ist.  

„Es ist eine hohe Auszeichnung für einen besonderen Menschen. Dr. Gstettner ist der unermüdliche Mahner gegen das Vergessen der Nazigräuel“, sagte Bürgermeister Christian Scheider in seiner Festansprache.  Vor zwanzig Jahren war er Mitbegründer des Mauthausen-Komitees Kärnten-Koroška, er organisiert die wichtigen und bedeutenden jährlichen Gedenkveranstaltungen für das KZ Loibl-Nord, so der Klagenfurter Bürgermeister.

Verantwortung übernehmen

„In den letzten Jahren war die Stadt Klagenfurt bemüht eine neue, offene Erinnerungskultur zu etablieren und mit vielen Initiativen der Opfer der Gräueltaten des Nazi-Regimes zu gedenken“ erklärte Scheider beim Festakt. Hier hat uns Dr. Peter Gstettner, der jetzt auch Vorsitzender des neu installierten Gedenkbeirates der Stadt ist, mit seinem Wissen geholfen, ohne seine Begleitung und Initiative hätten wir viele Ideen nicht umsetzen können.

Scheider bezeichnete es als Aufgabe der Stadt in diesem Bereich Verantwortung zu übernehmen, die dunkelsten Zeiten der Geschichte nicht zu verdrängen und zu vergessen, sondern als Mahnung an künftige Generationen weiterzugeben.  

Die Laudatio für den Geehrten hielt Prof. Vinzenz Jobst, ebenfalls im Gedenkbeirat der Stadt Klagenfurt. Er hob das konsequente Eintreten von Gstettner „für die Aufarbeitung von gründlich verdrängten Gräueln der Zeitgeschichte, die Arbeit an interkultureller Verständigung und Begegnung sowie die gedenkkulturellen Initiativen in Erinnerung an die dunkelsten Jahre des 20. Jahrhunderts hervor. „Die Existenz zweier Nebenlager von Mauthausen wäre nicht so bekannt ohne die Arbeit der

Gruppe Mauthausen-Komitee Kärnten/Koroška. Das KZ Loibl und das KZ Lendorf-Kaserne sind nunmehr durch sie fest in die Zeitgeschichte Österreichs eingeschrieben“, so Jobst.

Schwerpunkt Aufarbeitung NS-Zeit

Peter Gstettner wurde 1945 in Niederösterreich geboren. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann er mit dem Studium der Psychologie und Erziehungswissenschaft an der Universität Innsbruck, wo er 1969 zum Dr. phil. Promovierte und dann als Universitätsassistent arbeitete. 1981 wurde er als Ordentlicher Professor für Allgemeine Erziehungswissenschaft an die Universität Klagenfurt berufen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit  in Forschung und Lehre war der pädagogischen Aufarbeitung der NS-Zeit gewidmet. Daraus entstanden sein beherztes Engagement gegen das Vergessen und Verdrängen, ein Engagement das ihn in den 80er und 90er Jahren aber viele Anfeindungen brachte. Trotzdem entstanden wichtige Forschungsarbeiten und es kam zur Gründung von Organisationen, die heute eng mit der Erinnerungsarbeit verbunden sind wie das Mauthausen-Komitee oder der Verein Memorial Kärnten/Koroška.  

Die Überreichung der Goldenen Medaille der Landeshauptstadt Klagenfurt erfolgte durch Bürgermeister Christian Scheider, Vizebürgermeisterin Dr.in Maria-Luise Mathiaschitz und Stadträtin Brigitte Schmelzer. Anschließend trug sich Dr. Peter Gstettner in das Goldene Buch der Stadt ein.  

Dank

Mit herzlichen Worten bedankte sich Gstettner beim Klagenfurter  Stadtsenat und Gemeinderat für die hohe Auszeichnung. Durch Jahrzehnte hab er durch seine Arbeit ein „Wechselbad der Gefühle zwischen Ablehnung und Zustimmung“ erfahren, mit dieser hohen Ehrung fühle er sich aber „angenommen“

Einen besonderen Dank richtete Gstettner an Bürgermeister Christian Scheider „mit dem es möglich geworden ist eine parteiübergreifende Erinnerungsarbeit für die Stadt zu etablieren“.

Gstettner weiter: „Ich war skeptisch, ich habe nicht geglaubt, dass es möglich ist, in Klagenfurt eine offene Erinnerungskultur zu etablieren“, und führte aus, dass der neue Gedenkbeirat gute Arbeitsbedingungen erhalten habe und dass es nie den Versuch einer parteipolitischen Einflussnahme gegeben hat. Für die Unterstützung in der laufenden Arbeit des Beirates dankte er auch herzlich der Präsidialabteilung der Stadt.

Und ein ebenso herzliches Dankeschön gab es für seine Wegbegleiter und –begleiterinnen wie Mag.a Sieglinde Trannacher und vor allem für Gattin Irmgard.

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