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Holocaust-Gedenktag: "Niemals vergessen!"

(22.01.2017)
Die Landeshauptstadt Klagenfurt ist sich ihrer Aufgabe bewusst, die Opfer des grauenvollen Naziregimes nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Deshalb wird rund um den 27. Jänner zu einer Matinée geladen.

Am 27. Jänner 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit „und zum ersten Mal wurde das unvorstellbare Ausmaß der Naziverbrechen, das unvorstellbare Ausmaß des Grauens der ganzen Welt vor Augen geführt“, sagte Bürgermeisterin Dr. Maria-Luise Mathiaschitz heute, Sonntag, bei der Begrüßung der zahlreichen Repräsentanten aus Politik, Kultur, Kirchen und Gesellschaft. Für die Landeshauptstadt kamen auch die Vizebürgermeister Jürgen Pfeiler und Christian Scheider sowie Stadtrat Frank Frey und zahlreiche Gemeinderäte und Gemeinderätinnen.

Es war die fünfte Matinée zu der die Stadt, diesmal wieder ins Künstlerhaus geladen hat. Neben den Gedenkrednern Charlotte Knobloch, langjährige Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und Univ. Prof. Dr. Peter Gstettner, Vorsitzender des Gedenkbeirates der Stadt Klagenfurt, beeindruckte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor allem das Video, das Studenten und Studentinnen der Alpen-Adria-Universität unter Leitung von Dr. Mag. Nadja Danglmaier zum Thema Holocaust-Gedenken gedreht haben. Dafür wurden Menschen unterschiedlichen Alters zu ihrem Bezug und ihren Erinnerungen zum Begriff Holocaust interviewt und die Sequenzen mit stillen, bewegenden Bildern kombiniert. Und viele erzählten wie das Thema noch vor Jahren totgeschwiegen worden ist.

Bürgermeisterin Dr. Maria-Luise Mathiaschitz dankte im Namen aller Anwesenden für diese berührende und auch aufrüttelnde Arbeit.

„Wir brauchen solche Gedenktage, solche Gedenkveranstaltungen wie heute. Denn unsere Aufgabe ist es, an die Unmenschlichkeit zu erinnern, zu der Menschen fähig sein können, den Ermordeten, Erniedrigten und Gequälten eine Stimme zu geben und zu mahnen“ erklärte die Bürgermeisterin. Und es sei wichtig und notwendig, dass sich junge Menschen damit beschäftigen.

„Denn es geht nicht nur um Erinnerung und gegen das Vergessen, sondern auch um die Mahnung für Gegenwart und Zukunft. Heute ist es leider wieder notwendig gegen Rassismus, Intoleranz, Respektlosigkeit gegenüber dem Anderen, dem Anders sein, aufzustehen. Wir leben in einer Zeit, wo sich wieder Gräben in der Gesellschaft auftun, eine Zeit in der Populisten Unsicherheit und Ängste schüren, wo gegen das „Andere“ gehetzt wird und die sogenannten sozialen Medien ein Tummelplatz für Hetz – und Hasstiraden sind. Nehmen wir die schreckliche Vergangenheit wirklich als Mahnung, lassen wir uns nicht trennen, sehen wir Toleranz, Respekt, den Schutz der Würde des Menschen als gemeinsame Ziele und treten wir entschieden gegen Diskriminierung und Radikalisierung, gleich von welcher Seite sie kommen, auf,“ mahnte die Stadtchefin.

Sie erklärte auch, dass die Stadt wichtige Schritte in der Erinnerungskultur gesetzt hat. So gibt es einen Gedenkbeirat unter dem Vorsitz von Univ. Prof. Dr. Peter Gstettner, vor den letzten Wohnadressen verschleppter und ermordeter jüdischer Mitbürger und Mitbürgerinnen erinnern Stolpersteine an ihr Schicksal, am Ort des einstigen jüdischen Bethauses wurde eine würdige Gedenkstätte installiert und mit der Partnerschaft Dachau gibt es auch eine Gedenk-Partnerschaft und es wird an einem „Netzwerk des Erinnerns“ gearbeitet, um möglichst viele Menschen zu erreichen.

Als Gedenkrednerin sprach in diesem Jahr Charlotte Knobloch zu den Anwesenden. Nach einer berührenden Erinnerung zurück in ihre Kindheit, als sie selbst als „Judenkind“ missachtet, ihre Familie zerrissen, Vater und Großmutter deportiert wurden, sie selbst nur vor dem Holocaust gerettet wurde, weil eine nahe stehende katholische Familie sie auf ihrem Bauernhof aufnahm und als ihr eigenes Kind ausgab, dankte sie allen, die heute mutig und kompromisslos gegen das Vergessen eintreten. „Sie alle markieren den Gegenpol und stehen für die Ablehnung von Hass, Kälte und Intoleranz“ sprach Charlotte Knobloch zu den Anwesenden.

Ihren Dank richtete sie an die Landeshauptstadt Klagenfurt, Bürgermeisterin Dr. Maria-Luise Mathiaschitz, aber auch Dr. Peter Gstettner als engagierten Vertreter im Bereich Erinnerungskultur: dass diese Gedenkmatinee dieses Jahr bereits zum fünften Mal stattgefunden hat, sieht die Festrednerin als Zeichen für das, was ihr über all die Jahre Kraft gegeben hat: die Hoffnung! Die Hoffnung, die sie selbst über alle Emotionen stellt.

„Ich knüpfe meine Hoffnung nicht daran, dass in Europa gewiss alles einen guten Lauf nehmen wird. Ich knüpfe meine Hoffnung an die Menschen“.  Ihr größte Hoffnung aber ist die Jugend, an die sie auch ihre abschließende Bitte richtete: „Lasst Euch niemals von irgendjemand vorschreiben, wen ihr zu lieben und wen ihr zu hassen habt!“

Mit einer Trauerminute wurde auch des erst vor knapp zwei Wochen verstorbenen Ari Rath, des unermüdlichen Mahners wider das Vergessen, gedacht. Ari Rath, gebürtiger Wiener und langjähriger Chefredakteur der Jerusalem Post war Gedenkredner bei der Klagenfurter Matinée 2016. Er schilderte damals in berührenden Worten wie er mit 13 Jahren mit einem Kindertransport vor den Nazis nach Palästina flüchten mußte, wie mit dem Anschluss 195.000 österreichische Juden über Nacht vom Mensch zum Unmensch erklärt wurden, wie niemand gegen die Plünderungen protestierte, wie jüdische Mitbürger verfolgt und verhaftet wurden.

Univ.Prof. Dr. Peter Gstettner stellte seine Gedenkworte unter den kurzen, einprägsamen Satz: „Es bleibt“. Der Vorsitzende des Klagenfurter Gedenkbeirates und Gründer des Mauthausen Komitees Kärnten/Koroška und des Vereins Memorial Kärnten Koroška wies in seiner Rede darauf hin, dass Menschen, die den Holocaust überlebten, noch „Jahre nach ihrer Befreiung Gefangene ihrer Erinnerung“ blieben. Die Gnade des Vergessen Könnens sei niemandem beschieden, auch nicht, wenn Jahre vergehen. Es bleibt. Und dies sei, so Gstettner, auch der Leitsatz für die engagierte Erinnerungsarbeit in Klagenfurt. „Es bleibt - dieses Thema am Programm“.

Die musikalische Begleitung der Veranstaltung wurde vom Duo „Klezmer reloaded“, Alexander Shevchenko (Akkordeon), Maciej Golebiowski (Klarinette) gestaltet.

Zum Schluss der Matinée erinnerte die Bürgermeisterin nochmals an Ari Rath und gab allen seine Bitte bei der Gedenkmatinée des vergangenen Jahres mit auf den Weg: „Nur wenn wir an das Schlimmste erinnern, können wir eine Wiederholung hoffentlich verhindern. Bitte mahnen Sie immer weiter gegen das Vergessen“.

Die Stadt Klagenfurt wird diese Aufgabe und dieses Vermächtnis sehr ernst nehmen, versprach die Bürgermeisterin.

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