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Bockelmann-Bild als Würdigung der Nazi-Opfer

(26.10.2018)
Als sichtbare Mahnung gegen das Vergessen der Nazigräuel wird das Bild einer ermordeten Kärntner Slowenin an der Landesarchiv-Außenwand angebracht.

Es ist ein Werk von Manfred Bockelmann, das er der Stadt Klagenfurt geschenkt hat.

Am Nationalfeiertag wurde die großformatige Zeichnung von Terezija Mičej mit einem Festakt übergeben. Bürgermeisterin Dr. Maria-Luise Mathiaschitz konnte dazu zahlreiche Ehrengäste, darunter den Künstler Manfred Bockelmann, die Familie von Terezija Mičej, Landeshauptmann Dr. Peter Kaiser sowie Hausherr und Landeshistoriker Dr. Wilhelm Wadl begrüßen.
„Die Stadt Klagenfurt bemüht sich um eine würdige Erinnerungskultur. Wir wollen die schrecklichen Jahre der Naziverbrechen aus der Vergessenheit holen, die Opfer ehren und würdigen, das Schweigen über diese Zeit durchbrechen. Nur wenn wir das Unsägliche offen benennen, können wir den jungen Menschen, die unsere Zukunft sind, zeigen, wohin Rassismus, Intoleranz, Fremdenhass und Angst führen. Das ist unsere Verpflichtung“, sagte die Bürgermeisterin beim Festakt im Landesarchiv. Sie hob auch hervor, dass der international renommierte Künstler Manfred Bockelmann die Stadt seit Jahren auf diesem Weg begleite. Mit seiner Graphikreihe „Zeichnen gegen das Vergessen“, habe Bockelmann tief berührende Bilder geschaffen.

Zum Tode verurteilt


Ein solches großformatiges Porträt schenkte Manfred Bockelmann nun der Stadt, damit es im öffentlichen Raum an die Opfer des Naziregimes erinnert. Es wird an der Außenwand des Kärntner Landesarchivs in der St. Ruprechter Straße angebracht.
Die Zeichnung zeigt eine fröhliche junge Frau, die ihr schreckliches Schicksal noch nicht ahnt. Die Kärntner Slowenin Terezija Mičej und ihre Mutter wurden von der Gestapo verhaftet, gefoltert und vom extra angereisten „Blutrichter“ Roland Freisler zum Tode verurteilt. Vier Monate vor Kriegsende wurden die beiden Frauen in Graz enthauptet.

„Der österreichische Staatsfeiertag im 100sten Jahr der Republikgründung und im Jubiläumsjahr unserer Stadt ist ein besonders geeigneter Zeitpunkt um Terezija Mičej zu ehren, ihr Porträt am Gedächtnis unseres Landes, dem Landesarchiv, anzubringen. Denn auch bei Jubiläumsfeiern muss man sich der dunklen Stunden der eigenen Vergangenheit bewusst sein, damit sie sich in Zukunft nicht wiederholen können“, so die Bürgermeisterin. Dr. Mathiaschitz weiter: „Die junge, fröhliche Frau, die wir hier sehen, wurde von den Nazis ermordet, weil sie nicht in ihr arisches Weltbild passte. So wie viele andere unserer slowenischen Mitbürger und Mitbürgerinnen, die deportiert wurden, in Konzentrationslagern starben. Lange wurde dies verschwiegen, nicht aufgearbeitet, ein wunder Punkt in unserer Nachkriegsgeschichte. Deshalb ist es jetzt umso wichtiger, dass dieses großformatige Porträt an der Außenseite des Kärntner Landesarchivs, das die erste Anlaufstelle in Geschichtsfragen ist, angebracht wird“.


Ähnliche Worte auch von Landeshauptmann Dr. Peter Kaiser: „Es ist ein spätes aber deutliches Zeichen des Respekts, dass wir jenen Menschen, die Opfer der Naziverbrechen wurden, wieder ein Gesicht und Identität geben. Die junge Republik hat mit Bürgerkrieg und Naziterror, den Mensch viel abverlangt. Die dunklen Zeiten dürfen wir nicht weiter aussperren, wir müssen alles dazu tun. Dass sich so etwas nie mehr wiederholt“, so Kaiser.


Dr. Wilhelm Wadl, Chef des Landesarchivs verwies auf die tagtägliche Erinnerungsarbeit, die in diesem Forschungsinstitut mit der sorgfältigen Aufarbeitung der Dokumente aus dieser Zeit, Publikationen und Ausstellungen geleistet werde. Bei einer dieser Ausstellungen über NS-Euthansieopfer sei vor nunmehr sechs Jahren zum ersten Mal eines der berührenden Porträts von Manfred Bockelmann zu sehen gewesen.
Der Vorsitzende des Klagenfurter Gedenkbeirates schilderte die Geschichte von Terezija Mičej und ihrer Mutter, ihres Bruders der Dachau knapp überlebt hat und des blinden Vater. Stadt und Land würden mit der Anbringung dieses Porträts im öffentlichen Raum einen mutigen Schritt gehen. Ein Bild stehe für das unbeschreibbare Leiden der Opfer, als Zeichen des Respektes und als Mahnung.

In slowenischer Sprache erinnerte die Volksschullehrerin Viktoria Mitsche an ihre ermordete Tante.
Manfred Bockelmann zeigte sich vom Festakt tief berührt, vor allem von den Widerstandsliedern des Ensembles Praprotnice und der Anwesenheit der Familie. Er wollte vor allem festgehalten wissen „Dieses Bild ist kein Geschenk, diese Bilder gehören uns allen“.
Bürgermeisterin Dr. Maria-Luise Mathiaschitz bedankte sich noch einmal mit herzlichen Worten bei Manfred Bockelmann: „ Dieses Geschenk im 500. Jubiläumsjahr der Stadt nehmen wir mit der Verpflichtung entgegen, immer wachsam gegenüber ersten Anzeichen von Intoleranz und Rassismus zu sein und zu bleiben.

Das Ensemble Praprotnice mit dem großformatigen Porträt.
Dr. Peter Gstettner, LH Dr. Peter Kaiser, Viktoria Mitsche, Manfred Bockelmann und Bürgermeisterin Dr. Mathiaschitz (v.li.)©StadtPresse/Fritz
Manfred Bockelmann mit dem von ihmgeschaffenen Porträt.
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