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Bachmannpreis 2020 an Helga Schubert

(21.06.2020)
Die älteste Teilnehmerin gewinnt den Klagenfurter Literaturpreis: die 80jährige Helga Schubert aus Berlin

1980 wollte die gebürtige Berlinerin Helga Schubert schon einmal am Ingeborg-Bachmann-Literaturwettbewerb teilnehmen – damals wurde ihr die Ausreise aus der DDR verwehrt. Heuer, beim zweiten Anlauf, gewinnt die 80jährige Schriftstellerin aus Deutschland den Ingeborg-Bachmann-Preis. Weitere Preise gingen an die deutsche Autorin Lisa Krusche sowie die österreichischen Teilnehmer Laura Freudenthaler, Egon Christian Leitner und Lydia Haider.

 

Unter den insgesamt 14 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Österreich, Deutschland und der Schweiz wurden die fünf Preise des Ingeborg-Bachmann-Literaturwettbewerbes diesmal „virtuell“ vergeben. Coronabedingt musste der Bewerb digital ausgetragen werden – ohne Publikum und ohne Journalisten vor Ort – die Lesungen wurden aufgezeichnet, die Diskussionen der siebenköpfigen Jury gestreamt und der gesamte Bewerb live übertragen: ins Internet und auf 3sat! Besondere Rahmenbedingungen beim Klagenfurter Literaturwettbewerb.

Ebenso besonders die Texte der Preisträgerinnen und Preisträger!
Beeindruckt und berührt war die Jury vom Text der ältesten Teilnehmerin des Bewerbes, der 80jährigen Berlinerin Helga Schubert. In ihrem Text „Vom Aufstehen“ erzählt sie in Rückblenden und mit persönlichen Eindrücken das tägliche Aufstehritual einer Frau namens Helga samt Erinnerungen an ihre hochbetagte Mutter. Der Text gibt Einblicke in ein von Krieg und Flucht geprägtes Leben und ein schwieriges Mutter-Tochter-Verhältnis. Die Autorin dieser teils autobiographischen Lebensgeschichte, Helga Schubert, wurde mit dem diesjährigen, von der Stadt Klagenfurt gestifteten Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Bürgermeisterin Dr. Maria-Luise Mathiaschitz überreichte die Preisurkunde für den mit 25.000 Euro dotierten Preis virtuell und beglückwünschte die zu Tränen gerührte Schriftstellerin sehr herzlich.

Deutschlandfunkpreis für Lisa Krusche

Der Deutschlandfunkpreis ging an die deutsche Autorin Lisa Krusche für ihren Text „Für bestimmte Welten kämpfen und gegen andere“, in der sie sich der digitalen Bilderwelt bedient und über ein Gegen- oder Miteinander von virtueller und realer Welt philosophiert.

Nach drei Wahldurchgängen ging der KELAG-Preis an den Österreicher Egon-Christian Leitner für seinen sozialkritischen Text „Immer im Krieg“, der das System Sozialstaat und dessen Gewinner und Opfer beschreibt.

Vom ersten Preis an in der Stichwahl war die Österreicherin Laura Freudenthaler. Sie wird schließlich mit dem 3sat-Preis ausgezeichnet. Ihren Text „Der heißeste Sommer“ wurde von Juror Klaus Kastberger als „Weltendetext in Zeiten des Klimawandels“, die Autorin selbst als starke Aktie in der deutschsprachigen Literaturwelt gelobt.

Publikum wählt keine Jury-Favoritin

Nicht auf der Shortlist der Jury für die Preisträger war die Österreicherin Lydia Haider, sehr wohl aber bei der Leserschaft. Sie laß den nur durch Beistriche getrennten Text „Der große Gruß“, er handelt von der Hetze auf ein Mädchen, das von einem Hund gebissen wird und gewinnt den BKS-Publikumspreis und das damit verbundene Klagenfurter Stadtschreiberstipendium.

Jurysprecher Hubert Winkels, der dieses Jahr zum letzen Mal als Juror fungiert, bedankte sich bei allen, die das technisch herausfordernde Zustandekommen des diesjährigen Klagenfurter Literaturwettbewerbes möglich gemacht haben. Er wird nächstes Jahr bei der Eröffnung des Bewerbes die „Rede zur Literatur“ halten.

Alle Infos zu Autorinnen und Autoren, Lesungen und Jury-Diskussionen auf bachmannpreis.orf.at

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