Neue Wege für Freiflächen in Innenstadt

In Zeiten des Online-Handels und der Corona-Krise sind viele Städte von Leerständen betroffen. In Klagenfurt geht man jetzt einen neuen Weg: Leerstände werden künftig als "Potenzialflächen" gesehen. Die vorhandenen Handelsflächen werden teilweise einer neuen Nutzung zugeführt.

Von links: Paul Perkonig (Fachgruppen-Obmann), Inga Horny (Stadtmarketing), Gabriele Königsberger (Wirtschaftsservice), Stadtrat Max Habenicht, Andreas Fritz (Wirtschaftsservice)

112 Leerstände gibt es aktuell im Handelsbereich in der Landeshauptstadt. Etwa die Hälfte davon ist schwer vermittelbar. „Sie sind entweder zu klein oder schlecht ausgestattet", informiert Wirtschaftsreferent Stadtrat Max Habenicht.

Dennoch will die Stadt Klagenfurt nicht tatenlos zusehen. Habenicht: „Wir wollen das Wort Leerstände künftig überhaupt vermeiden. Es sind Flächen, die nicht einfach leer stehen, sondern aus denen man etwas machen kann."

Im Rahmen einer neuen Plattform werden ab sofort alle zur Verfügung stehenden Flächen digital erfasst und für Interessenten dreidimensional sichtbar gemacht. "Damit können wir auf einen Klick darstellen, wie die Flächen innen aussehen und was alles möglich ist", erklärt Andreas Fritz vom Wirtschaftsservice der Landeshauptstadt.

Klagenfurt nehme dabei eine Vorreiterrolle in ganz Österreich ein. „Wir wollen einfach so viele Informationen und Service wie möglich bieten, damit die Interessenten aus allen Bereichen sofort auf Knopfdruck ein maßgeschneidertes Angebot erhalten", so Fritz weiter.

Bereits 2020 hätte das Projekt gestartet werden sollen, musste aber aufgrund der Pandemie um ein Jahr verschoben werden. „Wir werden jetzt alle Hausbesitzer mit potenziellen Handelsflächen per Brief anschreiben und sie darum bitten, uns ihre Daten zur Verfügung zu stellen", so Inga Horny, Geschäftsführerin des Klagenfurter Stadtmarketings.

Dabei geht es nicht nur um bloße Flächenangaben, sondern auch um die Ausstattung und neue Nutzungsmöglichkeiten. Ab Herbst soll es dann konkrete Gespräche mit allen Besitzern geben. Horny: „Auch bei vertragsrechtlichen oder bautechnischen Fragen wollen wir unsere Unterstützung anbieten." Mit Jahresbeginn 2022 soll die neue Plattform dann online gehen.

Dabei soll auch ein Paradigmenwechsel erreicht werden. "Die großen Handelsketten der 80er und 90er werden immer weniger. Das ist einfach eine Tatsache", so Horny. Daher sollen (ehemalige) Handelsflächen vermehrt für Ordinationen und Büros angedacht werden. Auch Wohnflächen, etwa bei mehrstöckigen Immobilien, können geschaffen werden, um so die Innenstadt zu beleben.

Und das Wichtigste: Die Immobilien-Treuhänder sind von Anfang an Bord. „Wir haben ein Netzwerk mit 123 Mitgliedsbetrieben, die viele Anliegen an uns herantragen. Diese wollen wir in diesem Projekt natürlich einfließen lassen. Wir alle machen uns Gedanken: Wie schaut die Stadt der Zukunft aus? Wie können wir Klagenfurt noch urbaner machen? ", so Fachgruppenobmann Paul Perkonig, der von einer „wichtigen und notwendigen Initiative für unsere Landeshauptstadt“ spricht.

„Wir führen alle wichtigen Player der Stadt zusammen und werden Klagenfurt überall sichtbar machen. So können wir das jahrelange Thema um die Belebung der Innenstadt endlich konkret angehen. Es ist der Grundstein für eine weitere Attraktivierung unserer Stadt", so Stadtrat Max Habenicht.