Deutsche Autorin gewinnt Bachmannpreis UND Publikumspreis
Jury und Publikum waren sich diesmal einig: Lena Schätte und ihr Text „Was wir tragen“ beeindruckte die hochkarätige Jurorenschaft, aber auch die Leserinnen und Leser. Daher geht der 50., mit 30.000 Euro dotierte Ingeborg-Bachmann-Preis der Landeshauptstadt Klagenfurt und der mit 7.000 Euro dotierte BKS-Publikumspreis an die deutsche Autorin. Außerdem erhält Lena Schätte das Festivalschreiber-Stipendium des Carinthischen Sommers. Ihr Text „Was wir tragen“ erzählt von zwei übergewichtigen Mädchen, die sich in der Schule auf der Toilette verstecken um ohne Spott ihr Jausenbrot essen zu können und sich gemeinsam vor Mobbern in der Schule schützen. Dass ein Text über gesellschaftliche Ausgrenzung ohne Anklage auskommt und rein durch literarische Kraft bewegt, hat beeindruckt.
„Ostblock Mädel“ lautet der Titel des Textes der in Ungarn geborenen Autorin Kinga Toth. Die Sprachwissenschaftlerin und Visuell-Klang-Poetin wurde nicht nur für ihren Text, der von Gastarbeiterinnen im Grenzland zwischen Österreich und Ungarn erzählt, gelobt. Ihre durch Stimmungselemente und Geräusche ergänzte Lesung beeindruckte die Jury. Kinga Toth erhielt den mit 15.000 Euro dotierten KELAG-Preis.
Ozan Zakariya Keskinkilic wird für seinen Text „Vater ohne Sohn“ mit dem mit 12.500 Euro dotierten Deutschlandfunkpreis ausgezeichnet. Der 3sat-Preis (7.500 Euro) geht an Magdalena Schrefel. Die österreichische Autorin erzählt in ihrem Text mit dem Titel „Kirschen, Herz mit Verband“ von einer 40jährigen Frau, die mit der Diagnose lebensbedrohlicher Brustkrebs konfrontiert wird und der daraus resultierenden Frage: Wie formuliert man eine solche Diagnose – für sich und vor der Familie.
2026 ist ein besonderes Jahr in der Literaturstadt Klagenfurt. Ingeborg Bachmann wäre heuer 100 Jahre alt geworden, der nach ihr benannte, im gesamten deutschsprachigen Raum anerkannte Literaturpreis wurde zum 50. Mal vergeben. Auch dieses Jahr lasen im ORF-Theater drei Tage lang 14 Autorinnen und Autoren aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Ungarn vor sieben Jurorinnen und Juroren unveröffentlichte Texte. Heute, Sonntag, wurden Preise im Gesamtwert von 75.000 Euro an die prämierten Autorinnen und Autoren verliehen.
Mit der heutigen Preisverleihung endet die Ära von zwei Persönlichkeiten, die den Bachmannbewerb maßgeblich mitgeprägt haben: Juryvorsitzender Klaus Kastberger zieht sich nach 12 Jahren aus der Jury zurück und Horst L. Ebner nach 14 Jahren aus der Organisation und Koordination der „Tage der deutschsprachigen Literatur“.
=> Infos zur Preisverleihung auf bachmannpreis.orf.at
