Erinnerungskultur

Die Stadt Klagenfurt sieht es  als wichtige Aufgabe, sich der Vergangenheit offen zu stellen. So soll ein aktives Zeichen gegen das Vergessen und Verdrängen einer schrecklichen Zeit, die Millionen unschuldiger Menschen, Kinder und Familien das Leben gekostet hat, zu setzen. Die Erinnerung an die Verbrechen des Naziregimes muss Mahnung für die Zukunft sein! Es gilt Rassismus und Unmenschlichkeit  schon früh zu erkennen und zu bekämpfen.

In Klagenfurt wurde der jüdische Friedhof saniert, wurden Stolpersteine verlegt, eine würdige Gedenkstätte für das zerstörte jüdische Bethaus geschaffen, es gibt eine jährliche Veranstaltung am Internationalen Holocaust-Gedenktag, städtische Delegationen sind jedes Jahr in der Partnerstadt bei den Feiern zur Befreiung des KZ Dachau und bei den Gedenkfeiern am Loibl. Und es wurde ein eigener Gedenk- und Erinnerungsbeirat installiert.

Die Stadt Klagenfurt steht mit allen diesen Aktivitäten für eine weltoffene und friedensorientierte Gedenkpolitik, die für andere Städte beispielgebend werden soll.

Bei der Gedenk- und Erinnerungskultur soll es in Klagenfurt einen konsequenten Weg geben. Deshalb hat die Stadt 2013 einen eigenen Beirat installiert. Vorsitzender ist Univ. Prof. Dr. Peter Gstettner. Er hat auch das Mauthausen-Komitee-Kärnten/Koroška und den Verein Memorial-Kärnten-Koroška gegründet. Die Gedenkstätte beim Mauthausen-Außenlager Loibl-Nord geht ebenfalls auf seine Initaitive zurück.

Weiters im Beirat vertreten sind Dr.in Nadja Danglmaier (Pädagogin, Netzwerkkoordinatorin des Projektes „Nationalsozialismus und Holocaust”), Prof. Vinzenz Jobst (Erwachsenenbildner, Geschäftsführer des Instituts für die Geschichte der Kärntner Arbeiterbewegung, Gründungsobmann Memorial-Kärnten-Koroška), Mag. Helge Stromberger (Kulturwissenschafter), Regina Taupe (KZ-Verband), Gemeinderätin Evelyn Schmid-Tarmann, Manfred Morokutti (Obmann-Stv. Loibl NORD), Mag. Heinz Pichler (Bildungsreferent AK und Obmann Armutsnetzwerk) und Mag.a Lydia Zellacher (Direktorin der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt).
Der Beirat soll Vorschläge unterbreiten, bei der Umsetzung helfen sowie die Landeshauptstadt auf dem Weg zu historisch aufgeklärten Denken und Handeln in Sachen Erinnerungs- und Denkmalkultur begleiten.

Sie erinnern an die Opfer des grauenhaften Nazi-Regimes, an die Opfer des Holocaust. An jene Menschen, die in Klagenfurt als Mitbürger und Mitbürgerinnen gelebt haben, ehe sie gedemütigt, vertrieben, gequält und in den Vernichtungslagern ermordet wurden. Das war und ist der Stadt ein Anliegen. Die Namen und Schicksale dieser Menschen sollen wieder sichtbar werden. Deshalb hat sich die Landeshauptstadt Klagenfurt dem europaweiten Projekt des Künstlers Gunter Demnig angeschlossen. Er verlegt vor dem letzten selbstgewählten Wohnort der Opfer Erinnerungssteine. Es sind Pflastersteine mit Messingplatten mit Namen, Daten und Schicksal, die in den Gehsteig verlegt werden. So sind die Opfer wieder sichtbar, ihr Schicksal wird nicht mehr verdrängt und „wer lesen will, muss sich bücken und so vor den Toten verbeugen”, sagt der Künstler. Inzwischen liegen Stolpersteine in ganz Europa. Mit über 90.000 Steinen in mehr als 2.000 Orten in 24 Ländern Europas hat Demnig damit auch das größte dezentrale Kunst-Erinnerungswerk geschaffen.

Mehr Informationen unter https://www.stolpersteine.eu/

Erinnerung bewahren - Stolpersteine in Klagenfurt


Wie in vielen anderen Städten, so gibt es auch in Klagenfurt eine Reihe von Straßennamen, die im Zusammenhang mit dem Nazi-Regime stehen. Der Klagenfurter Gedenkbeirat hat diese extra in einer Liste zusammengefasst. Nachtehend finden Sie alle diese Straßennamen.

Mit dem Erinnern an die schrecklichsten Zeiten des 20. Jahrhunderts will Klagenfurt ein klares Zeichen gegen Rassismus und Völkermord setzen. Die Stadt stellt sich ihrer Verantwortung, einer Arbeit wider das Vergessen und der Aufklärung der Jugend.

Neben vielen anderen Initiativen gibt es rund um den Internationalen Holocaust-Gedenktag jedes Jahr im Jänner eine Gedenkveranstaltung der Stadt als Erinnerung und Mahnung, wohin Rassenwahn führen kann. Für die Stadt Klagenfurt gilt es bewusst zu machen, dass jeglichem Fanatismus der sich gegen Menschen richtet, beherzt und vehement entgegengetreten werden muss.

Das Gedenken an die Opfer der NS-Gräuelzeiten und an die ehemalige jüdische Gemeinde Klagenfurts soll in der Stadt verankert sein. Deshalb wurde von der Landeshauptstadt der israelitische Friedhof saniert, an der Stelle des einstigen jüdischen Bethauses eine würdige Gedenkstätte errichtet.

Für einen Klagenfurter, der vor den Nazis fliehen mußte, nach dem 2. Weltkrieg aber mit seiner Heimatstadt wieder eng verbunden war, gibt es eine Gedenktafel.

Das Bethaus in der Klagenfurter Platzgasse war einst das Zentrum des kulturellen und religiösen jüdischen Lebens in der Landeshauptstadt.
Von 9. auf den 10. November 1938 brannten die Nazis in Deutschland und Österreich  über 1.400 Synagogen und Veranstaltungsräume, jüdische Friedhöfe nieder,  verwüsteten tausende Geschäfte und Wohnungen, ermordeten 400 Menschen oder trieben sie in den Selbstmord. 
Auch das 1905 errichtete jüdische Bethaus in der Platzgasse wurde verwüstet, Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg zerstörten es komplett.  
Die Stadt errichtete an dieser Stelle eine würdige Gedenkstätte.

Das Novemberprogrom war auch in Klagenfurt der Auftakt zur Vertreibung und Ermordung der jüdischen Mitbürger und Mitbürgerinnen.
Seit 1988 gab es für das jüdische Bethaus und den Leidensweg der Klagenfurter Juden einen Gedenkstein, 2015 wurde eine frei zugängliche, würdige Gedenkstätte mit beleuchteten Stelen sowie Bildern und Texten zur Geschichte dieses Zentrums des jüdischen Lebens in Klagenfurt, errichtet.

„Antisemitismus darf keinen Platz haben"

„Die Erinnerung darf nie enden. Sie muss künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen.Die Erinnerung soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedanken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken. Antisemitismus darf auch in Zukunft keinen Platz in unserer Gesellschaft haben“,  erklärte die Bürgermeisterin bei der Übergabe der Gedenkstätte eindringlich.
Ein Dank der Stadt gilt den Tierärztefamilien Dr. Zuzzi-Krebitz und Dr. Krebitz-Gressl, auf deren Grund die neue Gedenkstätte Platz gefunden hat.
Finanziert wurde die Gedenkstätte von der Stadt Klagenfurt mit Unterstützung des Landes Kärnten.

Das NS-Regime hat die jüdische Gemeinde in Klagenfurt, das jüdische Leben, praktisch ausgelöscht.

Bis 1938 gab es am Israelitischen Friedhof der Stadt noch Bestattungen. Familienmitglieder der später deportierten und ermordeten Mitbürger haben hier ihre letzte Ruhestätte.

Die Stadt Klagenfurt wollte die Spuren der Menschen, die einst hier gelebt haben, wieder sichtbar machen. Und damit auch daran erinnern, dass viele Verwandte und Nachkommen der hier Bestatteten in den Vernichtungslagern der Nazis sterben mußten und kein Grab haben. 2012 wurde der Israelitische Friedhof restauriert, saniert und ist seitdem wieder würdige Totengedenkstätte. Die Übergabe erfolgt am 8. Mai 2012, am Jahrestag des Kriegsendes.

Errichtet wurde er 1895, Besitzer ist die Landeshauptstadt, nutzungsberechtigt die Israelitische Kultusgemeinde. 97 Grabsteine und fünf Gedenktafeln gibt es. 24 jüdische Mitstreiter des Kärntner Abwehrkampfes sind hier bestattet.

Sowohl der Friedhof als auch das Grabmal von Adolf Preis ( Architekt Siegmund Schiffler) stehen unter Denkmalschutz. Die Sanierung  von Außenmauer, Gedenktafeln, Tor und Grünanlage erfolgte in enger Kooperation mit dem Bundesdenkmalamt.

Der Klagenfurter Fred Reinisch war der letzte Jude aus der Landeshauptstadt, der dem Holocaust entkommen ist. Seiner Heimatstadt blieb er bis zu seinem Tod im Jahr 2017 eng verbunden. 

In seiner Heimatstadt wurde er gedemütigt und vertrieben - trotzdem   blieb er in seinem Herzen immer ein Klagenfurter. Er wurde 1921 in St. Ruprecht geboren und verstarb 2017 in seiner Wahlheimat Florida (USA).  1938 kurz vor dem Novemberpogrom gelang Reinisch die Flucht vor den Nazis. Mit den Allierten kam er nach dem Krieg zurück nach Klagenfurt und half, woe er nur konnte.  Obwohl er in der USA eine neue Heimat gefunden hatte, zog es ihn jahrzehntelang im Sommer zu Besuch nach Klagenfurt.
Zur Erinnerung an Fred Reinisch wurde jetzt am Israelitischen Friedhof in St. Ruprecht eine Gedenktafel enthüllt. Initiiert hat dies Autorin Ilse Gerhardt, die selbst auf jüdische Wurzeln zurückblicken kann. Bürgermeisterin Dr. Maria-Luise Mathiaschitz unterstützte dieses Vorhaben und die Stadt kam für die Kosten der Tafel auf.   „Ein liebesvolles Andenken an einen jüdische Bürger der Stadt“, so die  Bürgermeisterin.