Jugendliche setzten ein starkes Zeichen für die Erinnerungskultur in Klagenfurt
Es ist eine vergleichsweise kleine Reinigungsaktion, die eine umso größere Symbolkraft besitzt. Jedes Jahr helfen Schulklassen mit, die 39 in Klagenfurt verlegten „Stolpersteine“ zu reinigen. Sie sind in den Boden vor den ehemaligen Wohn- oder Arbeitsstätten jener Menschen eingelassen, die während der NS-Zeit verfolgt, gequält, vertrieben, deportiert und ermordet wurden. Jeder Stein erinnert an eine Biografie, die durch den Nationalsozialismus zerstört wurde. Wer sich mit dieser Geschichte auseinandersetzt, versteht den Wert von demokratischen Prinzipien, Freiheit und Verantwortung.
Die Beteiligung junger Menschen ist bei dieser Initiative besonders wichtig. Am Donnerstag übernahmen die Schülerinnen und Schüler der Ethikgruppe der 4AHBG und 4BHBG der HTL Mössingerstraße die sorgfältige Reinigung der „Stolpersteine“ in der Innenstadt. Mit Spezialputzmitteln und Putztüchern wurden die kleinen, aber bedeutenden Gedenktafeln aus Messing sauber gemacht und aufpoliert, um die Namen und Schicksale der Opfer des Nationalsozialismus wieder sichtbar zu machen. Bürgermeister Christian Scheider bedankte sich bei den engagierten Jugendlichen sowie ihrer Lehrerin Mag. Gerda Wobik herzlich für ihr Engagement im Sinne der Erinnerungskultur.
„Es ist nach wie vor unerlässlich, sich gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit zu stellen und regelmäßig öffentliche Zeichen gegen das Vergessen zu setzen. Die Landeshauptstadt Klagenfurt ist sich ihrer Verantwortung stets bewusst und setzt viele Initiativen in der Erinnerungskultur. Es ist schön zu sehen, dass auch die jüngere Generation diesen Weg mitgeht.“
Bürgermeister Christian Scheider
„Wir machen aus Respekt und Anstand gegenüber den Opfern und als Gedenken an die Verstorbenen mit. Wir wollen daran erinnern, was damals passiert ist und was aktuell in der Welt passiert. Wir möchten Menschen, denen der Platz in unserer Gesellschaft genommen wurde, wieder miteinschließen.“
Schülerinnen und Schüler der 4AHBG und 4BHBG, HTL Mössingerstraße
„Ich freue mich sehr, dass das Projekt des Mauthausen Komitee Kärnten/Koroska auf so viel Interesse und Engagement bei meiner Ethikgruppe trifft, die als reflektierte und empathische Jugendliche gerne unserer Gesellschaft etwas zurückgeben möchten und im respektvollen, ehrenden Gedenken den Opfern von Hass, Verfolgung und Extremismus ihren Tribut zollen.“
Manfred Morokutti B.A. MA, Vorsitzender des Mauthausen Komitee
Seit Jahren begleitet Manfred Morokutti B.A. MA, Vorsitzender des Mauthausen Komitees, die Schulklassen aus Klagenfurt bei der Stolpersteinreinigung. Das internationale Projekt „Stolpersteine“ des deutschen Künstlers Gunter Demnig ist das größte dezentrale Kunst-Erinnerungswerk Europas. Mit über 116.000 verlegten Steinen in fast 1.900 Kommunen in 31 europäischen Ländern wird weltweit an die Opfer der NS-Diktatur erinnert. Jeder Stein steht für ein individuelles Schicksal und mahnt, die Erinnerung an die Gräuel der Vergangenheit wachzuhalten.
