5 Fragen an... Anna Rubin

Freischaffende Drachenbauerin und Installationskünstlerin

anna_rubin

FC: Michael Lio

1. Ihre Arbeit ist außergewöhnlich und zugleich poetisch: Sie sind freischaffende Drachenbauerin und Installationskünstlerin, die Kunst mit präziser Physik und traditioneller Fertigung verbindet. Wie hat Ihre persönliche Reise in die Welt der Drachen begonnen und was fasziniert Sie bis heute an dieser Kunstform?
Es war ein Prozess, der mit meiner Diplomarbeit über „Drachen“ begonnen hat. Vieles hat sich gefügt und ergeben und dann war es ganz selbstverständlich, Drachenbauerin zu sein. Der Drachen ist als Schnittstelle von Handwerk, Material, Tradition, Wissen, Technik, Design und Kunst ein großes Betätigungsfeld.

2. Sie sind in Klagenfurt geboren, haben an der Akademie der bildenden Künste in Wien studiert und Ihr Diplom dem Thema „Drachen“ gewidmet. Heute geben Sie Ihr Wissen unter anderem in Österreich, Deutschland und der Schweiz weiter. Wie gestalten Sie den Aufbau Ihrer Kurse bzw. Workshops und welche zentralen Ideen oder ästhetischen Prinzipien möchten Sie den Teilnehmenden vermitteln?
Im wahrsten Sinn ganz oben steht der Wunsch zu fliegen. Dieser Gedanke begleitet den gesamten Prozess des Drachenbauens. Auch wenn die Kurse unterschiedlich sind – abhängig vom Alter der TeilnehmerInnen und dem Zeitrahmen – bilden die Materialien und die Flugfähigkeit der Drachen den gemeinsamen Nenner.

3. Viele Ihrer Drachen wirken wie schwebende Kunstwerke. Welche Rolle spielen Kreativität, Materialwahl, physikalischen Prinzipien und handwerkliche Präzision in Ihrem Schaffensprozess?
Die gestalterische Freiheit hat viel mit Übung, Respekt und Neugier zu tun: Es geht um Wind, die Materialsprache von Bambus und Papier und um meine Vorstellung vom Fliegen. Der handwerkliche Prozess und das Wissen über die Gesetzmäßigkeiten des Fliegens gestalten das Resultat genauso wie der künstlerische Entwurf.
Durch den Drachen drücke ich mich aus und Landschaft, Begegnungen, Wörter können der Beginn eines Drachens sein. Das Bauen von Drachen als Ausdrucksmittel ist erst vollendet, wenn ich sie fliegen lasse. Der Drachen greift in den Himmel, verwurzelt sich, vermischt sich mit dem Oben, dem Raum.
Durch den fliegenden Drachen wird auch von mir ein Teil zu Luft, Wind, Höhe und Aussicht. Es ist für mich ein Gefühl der Identifikation. Der Drachen bringt mich in ein anderes Verhältnis zur Landschaft und zu mir selbst.

4. In Ihrer Arbeit begegnen Sie sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten und Generationen, die alle auf ihre Weise mit dem Drachenbauen verbunden sind. Was ist dabei das verbindende Element?
Drachen können aus unterschiedlichsten Materialien und in verschiedensten Formen gebaut werden. Doch was sie alle verbindet, ist das Fliegen. Und egal, wie jung oder alt man ist, das Steigenlassen eines Drachens macht glücklich und zuversichtlich.

5. Wenn Sie an die Zukunft des Drachenbauens denken…
… wünsche ich mir, dass das Drachenbauen auch in Zukunft Menschen fasziniert und begeistert.

www.annarubin.at