5 Fragen an... Bernd Liepold-Mosser

Regisseur und Autor/ Intendant Klagenfurt Festival

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FC: Fotohorst

1. Das Klagenfurt Festival hat sich längst über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Die sechste Ausgabe verwandelt die Stadt vom 22. Mai bis 10. Juni erneut in einen offenen, pulsierenden Kulturraum. Wie würden Sie selbst das Festival charakterisieren und welche Bedeutung hat die besondere Atmosphäre Klagenfurts für Sie – sowohl für die Identität des Festivals als auch für die Auswahl und Entwicklung des Programms?
Ich möchte spannende Projekte und frischen Wind in die Kulturlandschaft bringen, der Grundzug ist auf jeden Fall zeitgenössisch, offen, popkulturell. Viele der eingeladenen Acts sind so in Kärnten noch nicht aufgetreten. Gleichzeitig geht es mir auch darum, das Spektrum gut abzubilden, das ja von Konzerten über Lesungen bis zu Talk-Formaten reicht. Das Klagenfurt Festival wird nicht nur vom Publikum und von der Presse erfreulich gut angenommen, es genießt auch überregional einen hervorragenden Ruf. Nur so ist es möglich, diese Vielzahl von großartigen Künstler:innen nach Klagenfurt zu bringen.

2. Sie sind seit vielen Jahren in der österreichischen Kulturlandschaft präsent und wenn Sie auf diesen Weg zurückblicken: Welche persönlichen Erfahrungen, Brüche oder Begegnungen haben Ihr Selbstverständnis als Künstler und Kulturvermittler besonders geprägt, und wie spiegeln sich diese biografischen Linien heute in Ihrer Arbeit als Intendant wider?
Ich bin inzwischen seit 30 Jahren in der Kulturszene tätig. Für mich persönlich ist es sehr wichtig, im überregionalen Kontext zu arbeiten, um auf dieser Basis meine Erfahrungen und mein Netzwerk für Klagenfurt einzubringen. Ich habe inzwischen mehr als 60 Inszenierungen gemacht, habe an großen Häusern wie dem Düsseldorfer Schauspielhaus, dem Theater Regensburg, dem Landestheater in Salzburg, Niederösterreich, Vorarlberg ebenso gearbeitet wie in der freien Szene in Wien. Die sichtbar größten Erfolge waren der Nestroy-Preis für „Amerika“ am Klagenfurter Stadttheater und der Publikumspreis der „diagonale“ für meinen Kino-Film „Griffen“. Ich schätze die persönlichen Begegnungen in der Zusammenarbeit mit anderen und kann mich für neue Projekte und neue Kollaborationen begeistern. Am wichtigsten ist mir aber, dass ich immer unabhängig geblieben bin und selbst entscheiden kann, wohin die Reise geht.

3. Sie arbeiten nicht nur als Intendant, sondern unter anderem als Autor, Regisseur und Lehrbeauftragter an der Universität Klagenfurt. Wie bringen Sie diese unterschiedlichen Rollen miteinander in Einklang, welche dieser Tätigkeiten beeinflusst Ihre künstlerische Handschrift am stärksten und inwiefern ergänzen sich diese Bereiche in Ihrem täglichen Arbeiten und Denken? 
Für mich gehören die theoretische und gesellschaftliche Reflexion und meine künstlerische Arbeit zusammen. Theater ist seit der Antike ein kritischer Spiegel der Gesellschaft, in diesem Sinn soll es auch heute diese Rolle übernehmen. Im Mittelpunkt meiner täglichen Arbeit stehen natürlich das Klagenfurt Festival und meine Inszenierungen, aber es freut mich, wenn die Tageszeitung „Der Standard“ anerkennend vom „Sozialphilosophen unter den Regisseuren“ schreibt, auch wenn das etwas übertrieben ist.

4. Das Klagenfurt Festival hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und an Profil gewonnen. Wenn Sie in die Zukunft blicken: Welche Entwicklungen wünschen Sie sich für das Festival, und welche Ideen möchten Sie in den kommenden Ausgaben verwirklichen, um Klagenfurt weiterhin als offenen, experimentierfreudigen Kulturraum zu gestalten?
Tatsächlich schreibt das Klagenfurt Festival eine Erfolgsstory. Wir haben die Publikumszahlen seit dem Start beinahe verdreifacht, und es hat sich zu einer fixen Institution in der österreichischen Kulturlandschaft entwickelt. Sehr gerne möchte ich in den kommenden Ausgaben noch internationaler und offener werden und ungewöhnliche Programmpunkte anbieten.

5. Wenn Sie Ihrem jüngeren Ich etwas mitgeben könnten: Welcher Gedanke wäre Ihnen so wichtig, dass Sie ihn unbedingt weiterreichen möchten?
„Stick to your idea“. Lass Dich nicht verunsichern, mache das, wovon Du begeistert, überzeugt, beseelt bist. Alles andere macht letztendlich keinen Sinn. 

www.klagenfurtfestival.com

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