5 Fragen an... Matthias Ortner

Gründer, Sänger und Songwriter von Matakustix

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FC: Waschnig

1.    Als du Matakustix 2012 als Soloprojekt gestartet hast, war der Mix aus Dialekt, volksnahen Liedern und modernen Sounds noch ein ziemlicher Außenseiter. Was glaubst du, warum gerade diese Mischung so gut funktioniert – und was bedeutet dir der Kärntner Dialekt dabei: Ist er für dich musikalisches Werkzeug, kulturelles Statement oder einfach die Sprache, in der dein künstlerisches Herz am besten klingt?
Ich glaube, dass sich Menschen gerade in einer Zeit, in der alles immer schneller, lauter und höher wird, wieder stärker auf ihre Wurzeln besinnen. Viele stellen sich die Frage: Was ist eigentlich wirklich wichtig im Leben? Wo komme ich her? Musik und Kultur spielen dabei eine große Rolle. Vertraute Klänge können Erinnerungen wecken, Gefühle auslösen und uns mit bestimmten Orten und Momenten verbinden.

Der Dialekt ist für mich deshalb mehr als nur ein Stilmittel. Er ist ein Stück Heimat und ermöglicht mir, Gefühle viel direkter und authentischer auszudrücken. Im Dialekt klingt vieles kerniger und erdiger – etwas, das im Hochdeutschen, das oft austauschbarer wirkt, manchmal verloren geht. Gleichzeitig lässt sich der Kärntner Dialekt sehr rund singen und reimen. Und ganz ehrlich: Dass er zu den beliebtesten Dialekten im deutschsprachigen Raum gehört, kommt mir natürlich auch ein bisschen zugute.

2.    Du hast eine Tontechnikausbildung am HOFA College Deutschland und betreibst seit über 10 Jahren ein Tonstudio in Klagenfurt. Wenn du auf deine musikalische Reise zurückblickst – von den ersten Beats bis zu den Studioaufnahmen – was hat sich für dich verändert im Verhältnis zur Musik? Ist sie heute eher Beruf oder Berufung und war es ein bestimmter Song, ein Mensch oder ein Gefühl, das dich zur Musik geführt hat?
Musik und die Technik dahinter haben mich immer fasziniert. Es ist unglaublich, was Schallwellen in Menschen auslösen können – sie können jemanden zu Tränen rühren oder zu völliger Ekstase bringen. Zur Tontechnik bin ich eigentlich gekommen, weil ich einen bestimmten Sound im Kopf hatte, den ich niemandem so richtig erklären konnte – und den mir auch niemand liefern konnte. Also habe ich angefangen, mich selbst intensiv damit zu beschäftigen.

So habe ich gelernt, meine eigenen Produktionen umzusetzen und letztendlich auch meinen ganz eigenen Sound zu entwickeln. Gerade heute, in einer Zeit, in der vieles durch Algorithmen oder KI generiert werden kann, wird ein eigener musikalischer Fingerabdruck immer wichtiger. Für mich ist Musik deshalb bis heute beides geblieben: Beruf und Berufung zugleich.

3.    Heute feiern Millionen deine Songs online auf Social Media bzw. Youtube. Wenn du siehst, wie viele Menschen deine Lieder hören und teilen – was macht das mit dir als Künstler, als Mensch, als jemand, der in Klagenfurt Musik produziert?
Ein Song entsteht meistens ganz leise – irgendwo in der Stille. Bei mir zu Hause, am See, im Zug oder unterwegs mit einer Idee im Kopf. Umso faszinierender ist es dann, wenn diese kleine Idee plötzlich ein Eigenleben entwickelt.

Wenn man dann irgendwo in Deutschland vor 20.000 Menschen steht und sie zu deiner Musik klatschen oder sogar mitsingen, ist das ein unglaubliches Gefühl. Für mich hat das auch viel mit Heimat zu tun: Musik, die in Klagenfurt oder am Wörthersee entsteht, in die Welt hinauszutragen und zu sehen, dass sie Menschen berührt.

4.    Du bist mit Matakustix nicht nur in Kärnten unterwegs, sondern auch auf internationalen Bühnen. Wie erlebst du die Reaktionen auf deine Musik bezüglich der Sprachgrenzen – gerade im Hinblick auf den Dialekt? Wird er als exotisch, charmant oder vielleicht als musikalische Sprache wahrgenommen, bei der man nicht jedes Wort verstehen muss, um die Stimmung und Energie des Songs zu erfassen? Ist dir im Zusammenhang damit eine Anekdote in Erinnerung geblieben, die du mit uns teilen würdest?
Die Verständlichkeit spielt bei Musik oft eine kleinere Rolle, als man denkt. Die Musik selbst transportiert die Stimmung und den emotionalen roten Faden – deshalb muss man nicht jedes Wort verstehen, um die Energie eines Songs zu spüren. Das ist im Englischen ja ähnlich: Ich glaube, dass viele Menschen hierzulande nicht jedes Detail der englischen Songs verstehen, die im Radio laufen. Ein gutes Beispiel ist der Song „Whistle“ von Flo Rida – wenn wirklich jeder den Text komplett verstehen würde, gäbe es vermutlich den einen oder anderen Aufschrei. :-)

Beim Dialekt wird das meist sehr charmant aufgenommen. Viele empfinden ihn als würzig und erdig. Interessanterweise glauben viele im Ausland zuerst, wir kämen aus Bayern, weil sich der Kärntner Dialekt in manchen Punkten ähnlich anhört. Tatsächlich merkt man aber schnell, dass sich Südtirol, Bayern und Österreich sprachlich vieles teilen.

Eine lustige Anekdote ist mir aus Berlin in Erinnerung geblieben. Nach einem Konzert kam eine Dame zu mir und meinte: „Matthias, du sagst immer, wir sind ein “kamotes” Publikum. Was bedeutet das eigentlich?“ Da musste ich wirklich schmunzeln.

5.    Gibt es bereits Ideen oder Visionen, wie sich Matakustix in den kommenden Jahren entwickeln wird – z.B. mit bestimmten Themen, Sounds oder Kooperationen – und was würdest du jungen Künstlern mit auf dem Weg geben, die gerade erst anfangen, ihren eigenen Stil zu finden?
Ideen für neue Kooperationen habe ich eigentlich ständig. Viele davon setze ich bei meiner jährlichen Matakustix-Show in Klagenfurt um – heuer findet sie am 3. Juli 2026 in der Wörthersee-Ostbucht statt.

Jungen Künstlerinnen und Künstlern würde ich vor allem eines mit auf den Weg geben: einen langen Atem zu haben. Man braucht wirklich Ausdauer in diesem Beruf. An manchen Orten bin ich nach über 20 Jahren Musik immer noch ein „Newcomer“, weil die Leute mich oder meine Songs dort noch nie gehört haben.

Aber genau das macht es auch spannend. Wenn ich meine Musik neuen Menschen vorstellen kann und sie danach vielleicht auf Social Media folgen oder schreiben, dass ihnen das Konzert gefallen hat, dann ist das jedes Mal ein schönes Erlebnis. Mein Rat wäre deshalb: dranbleiben, nicht aufgeben, über Hindernisse hinwegsteigen, auch mal stolpern – und vor allem die Freude an der Musik nie verlieren. Denn genau diese Freude kommt am Ende auch bei den Menschen an.
 

www.matakustix.at