Kunst im Blick: Einblicke in die Kunstsammlung der Stadt | Februar 2026
Kärnten als Wahlheimat bildender Künstler hat bereits Tradition: der bekannteste Wahlkärntner war wohl Werner Berg, der, fasziniert von den Menschen und der Landschaft dieses Kulturraumes, 1930 den Rutarhof, einen Bergbauernhof im Kärntner Unterland nahe der slowenischen Grenze, erwarb. Aber auch Anton Kolig, im mährischen Neutitschein geboren und in Wien ausgebildet, ließ sich in Nötsch im Gailtal nieder. Giselbert Hoke kam nach dem Krieg nach Kärnten und wurde hier sesshaft. Werner Lössl reiht sich ebenfalls in diese Liste ein, der gebürtige Tiroler beschloss vor vielen Jahrzehnten hier zu bleiben und gilt mittlerweile als einer der markantesten „Kärntner Maler“, der das Licht und die Konturen dieser Landschaft mit Bravour in seinem Oeuvre darstellt.
Es gibt tatsächlich eine Tradition der Kärntner Landschaftsmalerei, die bei Anton Mahringer, Herbert Boeckl, Arnold Clementschitsch, Willi Zunk, Elisabeth Gutenberg-Sterneck und Adolf Christl anfängt und bis hin zu Ilse Mayr, Kurt Schmidt, Hans Hiesberger, Ernst Gradischnig und Werner Lössl führt, allesamt Poeten der Berge und Seen Kärntens. Besonders an den Werken dieser Künstler ist die subtile Farbgebung, die eine aus der Natur bezogene Modulation beinhaltet.
Werner Lössl ist auch in den Kunstsammlungen der Stadt Klagenfurt und des Landes Kärnten mehrfach präsent. Die Stadt Klagenfurt besitzt 23 Werke von Werner Lössl. Das erste angekaufte Werk stammt aus dem Jahre 1956, es ist eine Ansicht von Klagenfurt, die in der Ausstellung „Klagenfurt 500 – Eine Stadt im Bild“ (Alpen-Adria-Galerie, Januar – April 2018) gezeigt wurde. Die Silhouette des Stadtpfarrkirchturms ist im Zentrum des Bildes erkennbar, die Stadt wird eingebettet in die sie umgebenden Natur gezeigt. Das Ferlacher Horn und die wuchtige Karawankenkette runden im Hintergrund das Landschaftsbild ab.
Die weiteren Ölbilder, die Aquarelle und Gouachen aus der Sammlung der Stadt Klagenfurt zeugen allesamt von Lössls profunder Zuneigung zur Natur. Der Wörthersee, der Ulrichsberg oder das Haus des Künstlers in Sabuatach sind Leitmotive seiner Arbeiten. „Kärntner Landschaft“ sind mehrere seiner Werke betitelt, denn Lössl sucht nicht unbedingt eine realitätsgetreue Abbildung des Gesehenen, sondern gewissermaßen im aristotelischen Sinne das Allgemein-Gültige, in diesem Falle das Spezifische der Kärntner Landschaft.
Seine Bilder sind voller Vitalität, Lössl ist ein Besessener der Farbe. Das satte Grün des Bildes „Abbruch Skarbin“, die herrlichen Ockergelb- und Weißtöne des Gemäldes „Kärnten“ aus dem Jahre 1981 sind typisch für Lössls chromatisches Gefühl. Im großformatigen Ölbild „Landschaft mit drei Türmen“ aus dem Jahre 1962 erzeugen die dunklen, in Grün und Blau gehaltenen Farbtöne eine geradezu mystische Stimmung. Die Reisebilder aus Korsika, Nizza oder Drios sind heller in den Farben und strahlen eine gewisse Leichtigkeit aus.
Kunst und Leben bilden im Falle Werner Lössls eine untrennbare Einheit. Lössl ist ein intuitiver Maler, dem Stile und Modeerscheinungen in der Malerei gleichgültig sind.
Mag. Alexander Gerdanovits
Leiter der Kulturabteilung Klagenfurt

