Helfen, wo andere wegschauen
Reportage
Ein 14-jähriges Mädchen, das das Angebot des so genannten „My Drug Checks“ in Anspruch nimmt, ist bei den Streetworkern keine Seltenheit. „My Drug Check“ bietet Drogenkonsumenten die Möglichkeit, den Inhalt ihrer Substanzen anonym und kostenlos analysieren zu lassen. „Das ist heute keine Seltenheit mehr, über das Internet werden Drogen verkauft, die längst nicht mehr das beinhalten, was sozusagen versprochen wird“, erklärt Kerstin Fanzott, Leiterin der Suchtberatung in Klagenfurt. Damit wolle man keinesfalls den Konsum unterstützen, sondern den Klienten eine Möglichkeit zu geben, aufzuzeigen, wie (lebens)-gefährlich illegale Substanzen sind und wie sie Hilfe bekommen könnten. Die Jugendkriminalität steigt jährlich, psychische Erkrankungen nehmen zu – Fakten, die auch die Streetworker auf Klagenfurts Straßen bemerken. „My Drug Check“ wird in der VIVA-Drogenberatung angeboten, regelmäßig sind die Streetworker im Wechseldienst dort präsent, um Kontakt zu den Jugendlichen aufzubauen.
Kontakt aufzubauen - das dauert oft Jahre!
Vertrauen wird nicht leicht gefasst, Höhen und Tiefen sind Teil der täglichen Arbeit. „Wir wollen niemanden belehren oder erklären, was falsch ist – das haben die Jugendlichen auf der Straße bereits von allen anderen Seiten gehört. Wir wollen ihre Kompetenzen herausfinden, ihnen zeigen, was sie können und begleiten sie auf ihrem Weg“, erklärt Michael Watzenig, Streetworker in Klagenfurt. Sie kümmern sich um jene Jugendliche, die aus dem System gefallen sind, in keiner WG mehr unterkommen, obdachlos und oft auch kriminell sind.
Rund 11.000 Kontakte verzeichnen sie im Jahr, etwa 1.200 Jugendliche und junge Erwachsenen betreuen sie regelmäßig, d.h. man kennt sich beim Namen und hat immer wieder Kontakt. Die Kids sind in der Regel zwischen 14 und 24 Jahre (max. 30 Jahre in der Bahnstraße) alt. Eng wird mit der Kinder- und Jugendhilfe, der KABEG und anderen Einrichtungen zusammengearbeitet. „Wir sehen uns als Brücke zur Gesellschaft, nehmen eine akzeptierende Haltung ein und verurteilen nicht“, erklärt Kerstin Fanzott weiter.
„Als zuständiger Referent bin ich wirklich stolz, dass wir seit vielen Jahren das gleiche Team mit einem so großen Know-How haben. Anders als ein klassischer Sozialarbeiter haben unsere `Streetis` keine kontrollierende Rolle“, informiert Gesundheitsreferent Stadtrat Mag. Franz Petritz.
Wie wichtig Klagenfurts Streetworker sind, zeigt diese Geschichte: „Kürzlich habe ich einen Mann bei einer Veranstaltung getroffen. Er ist heute selbst im Beratungsbereich tätig, ist verheiratet und Vater. Einst war er aber ein 16-jähriger Jugendlicher, der auf der Straße gelandet ist. Er kam in Kontakt mit einem unserer Streetworker. Das war der Anfang für seinen Weg zurück. Eine Geschichte, die zeigt, wie lebensverändert unsere Arbeit sein kann“, hält Kerstin Fanzott abschließend fest.
