Matinee wider das Vergessen
Bürgermeister Christian Scheider und der Vorsitzende des Mauthausen Komitees Kärnten/Koroška, Manfred Morokutti dankten den Brüdern Paul und David Gulda, sowie Gedenkredner Univ. Prof. Dr. Peter Gstettner für ihr Mitwirken an der diesjährigen Matinée und konnten zahlreiche Gäste – darunter Landeshauptmann Dr. Peter Kaiser, Stadtrat Mag. Franz Petritz, Stadträtin Sandra Wassermann, Museumsdirektor Dr. Wolfgang Muchitsch, Hilfswerk-Präsidentin Mag. Elisabeth Scheucher-Pichler sowie die Gemeinderäte Manfred Jantscher und Mag. Martin Lemmerhofer begrüßen. Foto: StadtKommunikation
Die Gedanken an die Verbrechen des NS-Regimes gehen auch heute noch tief unter die Haut. Die unfassbaren Gräueltaten in den Konzentrationslagern, der nationalsozialistische Völkermord an den europäischen Juden während des Zweiten Weltkrieges – furchtbare Ereignisse der Geschichte, die auch in der Gegenwart tief sitzen.
Mit der Matinee anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages setzt die Stadt Klagenfurt in Kooperation mit dem Mauthausen Komitee Kärnten/Koroška ein klares Zeichen gegen Rassismus und Völkermord. Neben zahlreichen anderen Initiativen (u.a. „Stolpersteine“) gibt es jedes Jahr im Jänner rund um den Gedenktag zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz diese Matinee, um den Opfern der Nazi-Verbrechen zu gedenken und zugleich ein Zeichen wider das Vergessen zu setzen. Die Befreiung des KZ Auschwitz (27. Jänner 1945) jährt sich heuer zum 81. Mal.
„Wir erinnern uns heute an die Lebensgeschichten von Opfern, Überlebenden, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die uns ihre Erfahrungen weitertragen bzw. weitergetragen haben. Ihre Stimmen mahnen uns, Verantwortung zu übernehmen: Für die Würde jedes Menschen, für die Unteilbarkeit von Menschlichkeit und für die Unnachgiebigkeit gegen Antisemitismus, Rassismus und Gewalt in jeder Form. Dieses Gedenken ist kein bloßer Rückblick, sondern ein Auftrag für die Gegenwart: Die Lehren der Vergangenheit sollen uns leiten, demokratische Werte zu schützen, frei zu denken und solidarisch zu handeln. Wir tragen die Verantwortung, Opfer zu ehren, Überlebende zu unterstützen und jungen Generationen eine Geschichte zu vermitteln, die nicht vergessen wird, damit sich dergleichen niemals wiederhole.“
Bürgermeister Christian Scheider
Vor allem sei es wichtig, die Jugend aufmerksam zu machen, wohin Hass und Intoleranz gegenüber Herkunft, Religion oder politische Haltung führen kann. „Bildung und Dialog sind unsere stärksten Schutzmechanismen: in Schulen, Universitäten, Kulturinstitutionen und im Alltag. Nur durch Bildung können wir Brücken bauen, Vorurteile abbauen und eine Gesellschaft fördern, in der Vielfalt als Stärke anerkannt wird“, so der Bürgermeister.
Auch Manfred Morokutti, Vorsitzender des Mauthauen Komitee Kärnten / Koroška sieht die Veranstaltung nicht nur als Gelegenheit zu Erinnern und die dunkelsten Kapitel der Geschichte als Mahnung im Bewusstsein zu halten, sondern als Auftrag, in die Zukunft zu schauen und alles dafür zu tun, ein friedliches Zusammenleben zu sichern.
Als Festredner war dieses Jahr Universitätsprofessor Dr. Peter Gstettner eingeladen. Er erinnerte in seiner Rede an die deutsch-US-amerikanische politische Theoretikerin und Publizistin Hannah Arendt (1906 – 1975), deren Todestag sich im vergangenen Jahr zum 50. Mal jährte. Arendt verstand ihre jüdische Herkunft als zentrale Identität. Ihr denken und ihr Engagement gegen Totalitarismus wurde geprägt durch ihre Erfahrung der Verfolgung durch das Nazi-Regime.
Der renommierte Pianist Paul Gulda und dessen Bruder David, Autor des Buches „Loew. Lebenswege einer jüdischen Familie“, haben die Matinee künstlerisch mitgestaltet. Die Lesung aus dem Werk – einer Mischung aus Weltgeschichte und persönlicher Familienbiographie – wurde von Paul Gulda mit Liedern begleitet.
Bürgermeister Scheider bedankte sich bei allen, die zur Gedenkmatinee gekommen sind – insbesondere jenen, die sich in Klagenfurt und über die Grenzen der Stadt hinaus für Gedenk- und Erinnerungskultur engagieren: Allen voran Prof. Dr. Peter Gstettner, dem Vorsitzenden des Beirates für Erinnerungskultur, sowie dem Vorsitzenden des Mauthausen Komitees Kärnten/Koroška, Manfred Morokutti.
