Zum Inhaltsbereich springen

Bürgermeister 1850–2015

Das Klagenfurter Bürgermeisteramt wurde von den Stadtherren, den Ständen, 1588 eingerichtet.
Bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts fanden jährliche Bürgermeisterwahlen statt.
Josef II. hob die städtische Selbstverwaltung auf, das Stadtoberhaupt wurde auf Lebenszeit ernannt.
Ab 1807 gibt es einen „geprüften” Bürgermeister, dessen Posten öffentlich ausgeschrieben wurde.
Nach der März-Revolution 1848 wurde der Gemeinderat und aus seiner Mitte 1850 erstmals der Bürgermeister gewählt.
Ab 1920 fand die Wahl des Gemeinderates und des Stadtoberhauptes nach dem allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrecht statt. In der nationalsozialistischen Zeit wurden die Gemeindevertretungen ernannt.
Seit 1945 gibt es die gemeinderechtliche Selbstverwaltung und seit März 1991 wird der Bürgermeister von Klagenfurt vom Volk direkt gewählt.
Nachstehend eine Übersicht der Bürgermeister seit der März-Revolution 1848. Die Bürgermeister wurden und werden von verschiedenen Küntlern porträtiert, die Gemäldegalerie ist im Rathaus auf dem Neuen Platz zu sehen.

Eine Liste aller Bürgermeister seit 1588 gibt es am Textende zum Download.

 

Dr. Andreas Koller

Dr. Andreas Koller

Amtszeit 10.11.1850 – 13.4.1852K.k. Hof- u. Gerichtsadvokat in Klagenfurt, Vorsitzender des Komitees zur Errichtung einer Handelskammer. Planung umfassender Stadtverschönerung und Förderung kultureller Belange, Ausbau des Lendhafens, der Kreuzberglanlagen, Errichtung einer ständigen Postkutschenverbindung nach Laibach/Ljubljana. Einführung des Telegrafendienstes in der neuen Post- und Telegrafendirektion, Gründung des Kunstvereines. 

Mag. Ferdinand Hauser

Mag. Ferdinand Hauser

Amtszeit 22.6.1852 – 16.3.1861

Erwarb in Klagenfurt die Adler-Apotheke am Neuen Platz. Direktor der Kärntner Sparkasse u. Kaiserlicher Rat. Gründung der kaufmännischen Sonntagsschule, aus der sich Handelsschule und -akademie entwickelten, ferner der Oberrealschule, Errichtung der Berghauptmannschaft, Eröffnung der Wörthersee-Schifffahrt. Spatenstich zur Bahnlinie Klagenfurt – Marburg, womit die Stadt Anschluss an das europäische Verkehrsnetz erhielt. Hauser lehnte eine Wiederwahl zugunsten seines Schwiegersohnes Jessernig ab. 

Gabriel Ritter von Jessernig

 

Gabriel Ritter von Jessernig

Amtszeit 16.3.1861 – 17. 6. 1865, 20.5.1870 – 31.5.1887

Stammte aus einer alten Klagenfurter Familie von Handelsleuten und Steinbierbrauern. Direktor der Kärntner Sparkasse, Bürgermeister, Landtagsabgeordneter, Landeshauptmannstellvertreter, einige Jahre Reichsratsabgeordneter. 
Erhebung in den Ritterstand am 9. September 1875. Gründung jener Schule, aus der sich die Höhere Technische Bundeslehranstalt für Maschinenbau- und Elektrotechnik entwickelte. 

Leopold Nagel

Leopold Nagel

Amtszeit 3.7.1865 – 18.2.1870

1863 Gemeinderat und Vizebürgermeister, 1881 Landtagsabgeordneter und Landesfinanzreferent bis 1884.
1866 Vollendung der evangelischen Kirche am Lendkanal, Gründung der „Freiwilligen Rettungsgesellschaft“ als erste in der Monarchie. 1867 Abschaffung der Prügelstrafe im Kriminalhaus.

Mag. Franz Erwein

Mag. Franz Erwein

Amtszeit 7.6.1887 – 30.5.1890

Kaufte die Engelapotheke in der Bahnhofstraße. 1873 Gemeinderat, 1880-87 Vizebürgermeister und rechte Hand Jessernigs, gleichzeitig Landtagsabgeordneter. Direktor der Kärntner Sparkasse.
Die Wörthersee-Süduferstraße entsteht, unter seiner Stadtführung werden die ersten Arbeiterwohnungen errichtet. 

Franz Glöckner

Amtszeit 30.5.1890 – 3.5.1892
Kam aus Böhmen nach Klagenfurt,   stellvertretender Leiter des k. k. Baudepartments. 1871 Gemeinderat, 1887 Vizebürgermeister und Baureferent. In seiner Amtszeit: Baubeginn am Staatsgymnasium, Gründung Eislaufverein „Wörthersee“,  am 1. Juli 1891 Probefahrt der Pferdebahn zum See,   Errichtung des staatlichen Telefonnetzes wird genehmigt, 1892 Eingemeindungen, am 1. Mai Arbeiterdemonstration für den Achtstundentag.
Mit 70 Jahren tritt Glöckner zurück, die "Klagenfurt Zeitung"forderte eine Verjüngung des Gemeinderates.

 

Dr. Friedrich Posch

Amtszeit 25.6.1892 – 31.3.1896

Jusstudium, Bistumsverwalter. 1890 Gemeinderat und Vizebürgermeister.  Die 1891 genehmigte Telefonverlegung scheiterte am Widerstand der Hausbesitzer, die keine Dachständer duldeten. Rege  Bautätigkeit: Amalienhof, Carinthia, Krankenhaus, Aussichtsturm. Das „Austrommeln“ von Stadtnachrichten wird abgeschafft. Der Bürgermeister hat für Klagenfurt große Pläne: Schlachthofneubau, Um- oder Neubau des Rathauses (damals noch am Alten Platz), neue Friedhofsanlage und vor allem elektrische Energie für Stadt. Das wird vom Gemeinderat abgelehnt. Daraufhin tritt Dr. Posch zurück und mit ihm weitere Gemeinderäte.

Julius Christoph Neuner

Amtszeit 8.4.1896 – 22.5.1905 und 22.5.1906 – 15.6.1909

Dritte Generation der Klagenfurter Lederfabrikanten. Übernahm mit Bruder Franz Josef das Unternehmen. Mit 44 Jahren kam er über die Großdeutsche Partei in den Gemeinderat, 1892 Vizebürgermeister, 1903-08 Landtagsabgeordneter.  E-Werksbau an der Gurk, 870 Abnehmer werden beliefert. 1901 erstes Telefongespräch Klagenfurt – Villach. 1902 ist das Gurker Werk fertig und beliefert 870 Abnehmer. Einführung der elektrischen Straßenbeleuchtung. Thomas Bohrer baut in Klagenfurt das erste Automobil in den österreichischen Alpenländern,  Eröffnung Zentralfriedhof 1901, 1904 erstes Gewerbeförderungsinstitut der Monarchie.

Johann Franz Suppan

Amtszeit 27.5.1905 – 22.05.1906

Gutsbesitzer, Bankier, Fabriksbesitzer. Sein Bank- und Wechselgeschäft betreibt er am Alten Platz Nr. 25, auch Nr. 31 („Goldene Gans“) gehört ihm, ebenso wie die Schlösser Ehrenhausen und Mageregg. 1900 Gemeinderat, 1905 Landtagsabgeordneter. Gründung des „Auto-Club-Klagenfurt“ , erste „Zuverlässigkeitsfahr für Motorräder“. Das Edlmannhaus (heute Bank für Kärnten) entsteht, der Spitrahof, das Sanatorium Maria Hilf. Mit der Entdeckung des offenen Lendabflusses wird ein Seuchenherd beseitigt. In den städtischen Schulen wird der schulärztliche Dienst eingeführt. Das christlichsoziale „Kärntner Tagblatt“ erscheint. Nach knapp einem Jahr tritt Suppan krankheitshalber zurück.

Dr. Gustav Ritter von Metnitz

Amtszeit 22.6.1909 – 23.12.1915

Kärntner Uradel,  Rechtsanwalt, Landeshauptmannstellvertreter, ab 1895  Klagenfurter Gemeinderat, Vizebürgermeister, Bürgermeister. Unter seiner Leitung wurden zahlreiche Wohlfahrtseinrichtungen geschaffen; das Elektrizitätswerk entstand, Pferdebahn zum Wörthersee gekauft und in eine elektrische Bahn umgewandelt, Bestattungsanstalt und Wörthersee-Schifffahrt kommunalisiert, Schlachthof und Westschule gebaut, der Theaterbau vollendet. Metnitz setzte den Kauf der Wörthersee-Gründe durch, sein  Motto „Klagenfurt an den Wörthersee“. Er wurde deswegen stark angefeindet und starb während seiner Amtszeit am 23. Dezember 1915. Der Name Metnitzstrand wurde am 11. April 1929 festgelegt.

Friedrich Reichsfreiherr von Wetzlar-Plankenstern

Amtszeit 22.2.1916 – 6.1.1921

Ab1906 Gemeinderat und Finanzreferent, engster Mitarbeiter von Metnitz.  Bürgermeister in stürmischen Zeiten. Ausbau der städtischen Lebensmittelversorgung , russische Kriegsgefangene bauten den Russenkanal, Schulen wurden Lazarette.  Ankauf des Rosenbergpalais als neues Rathaus. 1918-20 Abwehrkampf, kurze Besetzung durch SHS-Truppen, nach dem 10. Oktober 1920 große Feiern des Ergebisses der Volksabstimmung.  Am 4. Jänner 1921 Zusammenbruch des Gemeinderates während der Budgetverhandlungen, die Bezüge der Gemeindebediensteten  konnten nicht mehr gezahlt werden.  Wetzlar und 16 Gemeinderäte treten zurück, es folgen Neuwahlen.

Friedrich Wolsegger

Amtszeit 24.2.1921 – 2.7.1926

Professor am Staatsgymnasium in Klagenfurt,  Landesschulinspektor für die Mittelschulen in Kärnten und Steiermark. 1913 als Großdeutscher in den Gemeinderat, Reserveoffizier im Weltkrieg und Abwehrkampf. Bedeutsame Gründungen: Volkshochschule, „Kärntner Heimatmuseum“, Landwirtschafts- und Arbeiterkammer, KÄWAG, aus der sich die Kelag entwickelt. Grundsteinlegung zur Heimstättensiedlung, Strandbad, Volkskino, Beteiligung an der Kärntner Luftverkehrsgesellschaft und Eröffnung der Fluglinie Klagenfurt – Wien. Einführung der Schulzahnklinik. 

Dr. Heinrich Bercht

Amtszeit 13.7.1926 – 31.5.1931

Sohn des argentinischen Generalkonsuls in Österreich. 1919 Umzug nach Kärnten. Pro Jahr werden rund 45 Wohnungen errichtet, der Neue Platz und die Villacher Straße asphaltiert. Wirtschaftlich schwere Zeiten.  Der Sender Klagenfurt wird eröffnet und der erste Tonfilm läuft im St. Ruprechter Volkskino. Seit 1930 sind Klagenfurt und St. Ruprecht eine Doppelstadt. Nach Ablauf der 5-jährigen Gemeinderatsperiode zieht sich Bercht, der alle Kosten seiner Gemeinderatszugehörigkeit ausschließlich aus eigener Tasche bestritt und dabei der Gemeinde ein Vermögen ersparte, ins Privatleben zurück.

Dipl.Ing. Franz Pichler-Mandorf

Amtszeit 1.6.1931 – 12.2.1934

Sohn des Besitzers von Schloß Mandorf im Gailtal, Bauingenieur,  1914-18 Frontoffizier, Postdienst, Abwehrkampf, Sozialdemokrat in der Landesversammlung, 1920 Gemeinderat, 1921 Vizebürgermeister, anschließend Bürgermeister,  Die deutscherseits verhängte 1000-Mark-Sperre bringt den Fremdenverkehr zum Erliegen. 1931 erste Kärntner Warenmusterschau, aus der sich die Österreichische Holzmesse entwickelte,  1932 Schließung des Theaters. Nach Auflösung des Parlaments, Verbot der politischen Parteien, wird Pichler 1934 seines Amtes enthoben.  Ab 1935 Oberbaurat im Verkehrsministerium, 1938 aus politischen Gründen wieder  enthoben. 1945 im Ministerium für Wiederaufbau,

 

Kom.Rat Ing. Adolf Wolf

Amtszeit 12.2.1934-11.3.1938

Schlosserlehre, Montagechef beim Bau des Elektrizitätswerkes Gurk.1921 christlichsozialer Gemeinderat und Stadtrat für die Stadtwerke. 1923 Direktor der neu gegründeten KÄWAG = Kärntner – Wasserkraft – AG,  Vorläuferin der Kelag.  1927 kaufte er privat den Schrotturm, Umbau zum Aussichtsturm und Errichtung des Restaurants „Zur Schrottenburg“. Nach Pichlers Absetzung 1934 zum Regierungskommissar mit den Aufgaben eines Bürgermeisters bestellt, eine Ernennung zum Bürgermeister erfolgte nie.  Juliputsch der Nationalsozialisten, im Gemeindeleben fast völlige Stagnation. Ankauf des Römerbades, 1938 Machtübernahme der Naztionalsozialisten und Anschluss an Deutschland. Wolf wurde seines Amteenthoben.

Dr. Friedrich von Franz

Dr. Friedrich von Franz

Amtszeit 13.3.1938 – 7.5.1945

Hofkanzleikonzeptionsbeamter, Frontoffizier im Ersten Weltkrieg, Bezirkshauptmann von St. Veit an der Glan, 1934 als Nationalsozialist enthoben, 1935 im zeitlichen Ruhestand, 1938 von den Nationalsozialisten zum Oberbürgermeister ernannt. Eingliederung der Nachbargemeinden St. Ruprecht und St. Peter, Annabichl, Sankt Martin. Namensänderung vieler Straßen und Plätze, Einstellung aller Zeitungen. Am 7. Mai 1945 wurde Dr. Franz abgesetzt, er und sein Sohn wurden im Juli 1945 in Jugoslawien erschossen.

Friedrich Schatzmayer

Friedrich Schatzmayer

Amtszeit 8.5.1945 – 29.2.1952

Selbständiger Friseurmeister in Klagenfurt. Im Mai 1945 von den britischen Besatzungstruppen kommissarisch als Bürgermeister eingesetzt, im März 1946 bei Konstituierung des Gemeinderates bestätigt. Flüchtlingsnot und Wiederaufbau waren die größten Probleme und wurden vom Bürgermeister mit viel Aufopferung und Engagement in Angriff genommen.

 

Peter Graf

Peter Graf

Amtszeit 28.3.1952 – 12.11.1957

Weltkriegsteilnehmer, Abwehrkämpfer, Soldatenrat, Privatbuchhalter. Gründer und Obmann der Gemeinnützigen Siedlungsgenossenschaft „Vorstadt-Kleinsiedlung“. Aktion „Schöneres Klagenfurt“, radikale Verbesserung der Verkehrswege, Ausbau von Stadteinfahrten und Unterführungen und Wohnungsbau. 1955 Abzug der Besatzungstruppen. 

Portrait Hans Ausserwinkler

Hans Ausserwinkler

Amtszeit 12.5. 1957 – 2.5.1973

Landesernährungsinspektor, Leiter der Land- und Forstwirtschafts-Inspektion, Obmann der Zentralpersonalvertretung der Landesregierung.
Erste große Straßenbauten nach dem Krieg, erster Flächenwidmungsplan. Stadtplanung mit Blickrichtung auf modernen Städtebau, städtebauliches Konzept (Industriezone, Altstadtsanierung etc.). Schaffung des Europaparks.
1970 Gründung der Hochschule für Bildungswissenschaften. 

Mag. jur. Leopold Guggenberger

Mag. jur. Leopold Guggenberger

Amtszeit 2.5.1973 – 18.4.1997

Jusstudium an der Universität Wien, Assesor beim Oberlandesgericht Wien,  Sicherheitsdirektion, Gewerbeabteilung der Kärntner Landesregierung, Abgeordneter zum Nationalrat.
Altstadtrevitalisierung, Schwerpunkt Städtepartnerschaften
Auszeichnungen: Großes Silbernes Ehrenzeichen der Republik Österreich, Silberner Landesorden des Landes Kärnten, Ehrenbürger der Partnerstadt Dachau, Verleihung des Ordens der Republik Italien mit dem Titel „Comodore”.

Dkfm. Harald Scheucher

Dkfm. Harald Scheucher

Amtszeit 18.4.1997 – 9.4.2009
Vater Klagenfurter Vizebürgermeister. Welthandelsstudium, Sekretär des Landeshauptmann-Stellvertreters von Salzburg, Leiter Außenhandelsabteilung Kärntner Wirtschaftskammer. ÖVP-Landesparteiobmann, 2. Landeshauptmann-Stellvertreter,  3. Landtagspräsident. In seiner Amtsperiode: Neubau Stadion, Ausbau Innenstadtring, Bahnhof Neubau, Umgestaltung Neuer Platz, Bau Lakeside & Technologie Park,  Ausbau Universität und Fachhochschule, Bau der City Arkaden, Ankauf und Renovierung von Schloss Loretto, IKEA-Ansiedlung. Länderübergreifende (mit Slowenien, Italien) Bewerbung "Senza confini"  um Olympische Winterspiele 2006. 2008 ist Klagenfurt eine der Gastgeberstädte der Fußball-Europameisterschaft.

Christian Scheider

Amtszeit 2009 - 2015

1964 geboren, Bediensteter der Landesregierung, Mitarbeiter Landeshauptmann Dr. Jörg Haider, Landtagsabgeordneter, Gemeinderat, Stadtrat.

Klagenfurt als familienfrendliche Stadt zertifiziert, Erinnerungskultur etabliert und Gedenkbeirat installiert.

Scrolle nach oben