5 Fragen an... Tara C. Meister

Autorin und erste „Carinthischer Sommer Festivalschreiber:in“

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FC: Christiane-Gundlach

1.    Deine Texte wurden in den vergangenen Jahren mehrfach ausgezeichnet, in verschiedenen Formaten veröffentlicht und haben dir früh eine markante Stimme innerhalb der zeitgenössischen Literatur verschafft. 2025 wurdest du bei den 49. Tagen der deutschsprachigen Literatur als erste „Carinthischer Sommer Festivalschreiber:in“ ausgezeichnet. Könntest du die Erfahrung deiner Teilnahme am Bachmann Wettbewerb kurz Revue passieren lassen und erzählen, wie sich dein Blick auf einen Text verändert, wenn du ihn mit zeitlichem Abstand wieder liest?
Im Juni 2025 beim Bachmannwettbewerb zu lesen war in jeder Hinsicht eine außergewöhnliche Erfahrung. Die mir sonst so vertraute Umgebung als Geladene, Angereiste zu betreten, die Hitze, alle im Fieber. Ich fand es skurril, aufregend und amüsant, alles in allem ging es mir gut an diesen Tagen. Der Text, den ich nicht explizit für den Wettbewerb verfasst habe, hat mich eine ganz Weile davor schon begleitet, und wenn ich ihn heute lese, sehe ich dieses Begleiten und die vielen Gedanken und Verwandlungen, die darin stecken. 

2.    Wenn du dein Schreiben als eine Art Labor betrachten würdest, in dem du mit Sprache experimentierst wie mit chemischen Substanzen – welche Reaktionen suchst du, welche fürchtest du, welche entstehen immer wieder, obwohl du sie gar nicht geplant hast, und inwieweit beeinflusst der Ort, an dem du schreibst, diese Prozesse?
Ein interessantes Bild. Viele dieser Experimente, die man im Chemieunterricht durchführt, sind ja oft vor allem auf Effekt aus - eine blaue Flamme, ein überschäumendes Reagenzglas - und an sich nicht sehr komplex. Das würde ich beim Schreiben vermeiden wollen. Wichtig ist mir, ob mit oder ohne visuellem Spektakel, dass sich die Dinge verketten, miteinander reagieren, sich verschränken. Und dass der Stoff dabei am besten nie inert wird, also die Fähigkeit verliert, Verbindungen einzugehen. Besser, er bleibt ewig chemisch instabil.

3.    Wie wandelt sich dein kreatives Schreiben, wenn du zwischen Stille und äußeren Geräuschwelten wechselst? Gibt es eine Art von Stille, die dich in eine besondere Tiefe führt, und zugleich eine Geräuschkulisse, die dich belebt und dennoch zum Schreiben anregt?
Oft hängt das von der Schreibphase ab. Grundsätzlich ist mir vollkommene Stille aber suspekt und macht mich eher unruhig als produktiv. Ich verbringe viel Zeit in Zügen und bin an sich in der Lage, mit vielen Nebengeräuschen zu arbeiten, bin manchmal sogar dankbar, wenn diese Geräusche meinen Gedankenstrudel überlagern. Wenn es um konzentrierte, genaue Überarbeitungen geht, versuche ich trotzdem das Familienabteil zu meiden.

4.    Wie entsteht für dich aus einem ersten Impuls die Idee zu einem neuen Werk und wie begleiten dich dabei die Phasen des Schreibens – vom offenen Beginn über die dichten Zwischenräume bis hin zu jenem präzisen Moment, in dem du spürst, dass ein Text wirklich fertig ist und bereit, die innere Werkstatt zu verlassen? 
Meistens ist es ein erstes Aufhorchen, wie ein Rascheln irgendwo, das einen aufschrecken lässt, gefolgt von der Ahnung einer Idee. Wenn sie mich weiter verfolgt, wende ich mich dem zu. Dann folgt das große Sammeln. Ich lege chaotische Dateien an mit losen Sätzen, Szenerien, Figuren, Begriffen, Sinneseindrücken. Dann muss ich für einen ersten Textentwurf sehr viel Anlauf nehmen und bin danach meistens erschöpft. Gebe es jemandem zum Lesen und mache Pause oder arbeite an etwas anderem. Wenn sich ein gesunder Abstand zum Geschriebenen eingestellt hat, mache ich mich für den nächsten Anlauf bereit. Insgesamt sollte man vielleicht gar nicht zu genau darüber nachdenken, was man da eigentlich jedes Mal aufs Neue aufführt.

5.    Wenn du dir vorstellst, dass dein zukünftiges Ich dir einen einzigen Satz über deine literarische Arbeit zuflüstern könnte – einen Satz, der dich vielleicht beruhigt, herausfordert oder dir den Weg vorgibt – was glaubst du, würde es dir sagen?
Dass es um den Prozess geht und nicht um das Produkt. Klingt vielleicht ein bisschen eso. Aber veröffentlichte Texte sind ja eigentlich nur Stichproben und ich glaube es geht vorwiegend darum, sich selbst und den Text immer und immer wieder herauszufordern.

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